Innerer Widerstand ist zweckmäßig!

innerer widerstand

Wer kennt das nicht? Diese eine Ecke im Körper, die eine ganz bestimmte Sache so richtig gut findet und befürwortet – also ein deutliches Ja abgibt. Und dann diese andere Seite, die ein klares Nein zu einer Situation oder einem bevorstehenden Ereignis hat. Gemeint ist nicht das Teufelchen auf der linken oder das Engelchen auf der rechten Schulter, wie man es aus alten Zeichentrickserien kennt und einen entweder waghalsig oder vorsichtig sein lässt. Gemeint ist die innere Stimme oder auch das innere Kind, das sich im Falle eines klaren Ja’s voller Vorfreude auf eine Sache zubewegt oder aber, im Falle eines deutlichen Nein’s, mit Ängsten, Panik oder anderen Widerständen im Körper auf sich aufmerksam macht.

Mein erster innerer Widerstand

Als Kind sollte ich an einer Theateraufführung in der Kirche teilnehmen. Es handelte sich um einen Miniauftritt in Form eines Schafes. Diese Nummer war mir megapeinlich. Heute würde ich sagen, dass ich ein sehr massives Nein in mir gegen diese Sache verspürte. Ich hatte einfach kein Interesse daran, mich zum Affen zu machen. Auf der anderen Seite wollte ich die Leute die mich um meine Teilnahme am Theaterstück gebeten hatten, nicht enttäuschen. Der innere Konflikt war perfekt. Ich versteckte mich in meinem Zimmer, bis unmittelbar vor dem Auftritt. Dann ließ ich mich breitschlagen, spielte meine Rolle und erntete tosenden Beifall. Die Situation war vorüber und ich hatte sie gut überstanden. Dennoch schwor ich mir, dass ich mich auf so etwas nie wieder gegen meinen Willen einlassen würde.

Ich musste damals ein deutliches Nein übergehen, was glaube ich nicht sehr gesund war. Ich weiß nicht, ob ich das damals gut verarbeitet habe oder ob ich noch heute die Spätfolgen dieses Theaters zu verarbeiten habe. Jahre später habe ich als Jugendlicher und junger Erwachsener vor nicht wenigen Menschen Musik gemacht und sogar Predigten gehalten. Ich vermute mit einem ganz gewöhnlichen Maß an Anspannung, wie sie wahrscheinlich jeder kennt. Diese Dinge habe ich aus eigenem Antrieb getan, ohne ein inneres Nein. Daher haben sie funktioniert.

Innerer Widerstand heute

Ich habe sieben Jahre lang in einer Werbeagentur gearbeitet. Das Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten war angenehm und freundschaftlich. Doch über Jahre hinweg habe ich ein inneres Nein zu Teilen meiner Arbeit dort aufgebaut, es jedoch – aufgrund der vielen positiven Aspekte meines Jobs – kontinuierlich ignoriert und verdrängt. Über die Diagnose psychovegetative Erschöpfung habe ich an anderer Stelle bereits berichtet. Nach Panikattacke, BurnOut und Wiedereingliederung fand ich ansatzweise den Weg zurück in meinen Beruf. Aber das innere Nein war nach wie vor da und setzte sich deutlich zur Wehr. Irgendwann sah ich mich gewzungen, auf diesen inneren Widerstand zuzugehen. Ich kündigte meinen Job und fand glücklicherweise kurz darauf neue Herausforderung in einem neuen Angestelltenverhältnis. (Auf das Thema Kündigung möchte ich in einem späteren Artikel eingehen.)

Ein übergangenes inneres Nein verselbstständigt sich

Oft nehmen wir den inneren Widerstand zwar wahr, spüren vielleicht sogar die damit verbundenen körperlichen Blockaden, verdrängen oder ignorieren es aber, da wir es in unserem Alltagsgefüge nicht gebrauchen können. Ich musste die Erfahrung machen, dass sich ein immer und immer wieder übergangenes und nicht angehörtes Nein irgendwann verselbstständigt hat. Wenn es sich nicht in der Lage sieht mit mir zu kommunizieren, weil ich es fortwährend abwehre, dann ist es gezwungen sich auf anderem Wege Gehör zu verschaffen. Und das können die unterschiedlichsten körperlichen Symptome sein.

Es ist wichtig ein inneres Nein wahrzunehmen, es zu hören und zu hinterfragen. Denn oft hat man im ersten Moment keine Antwort darauf, warum dieses Nein plötzlich da ist. Man freut sich vielleicht sogar auf eine bestimmte Sache, sieht sich aber auf einmal mit einer inneren Blockade konfrontiert, die einem das Leben schwer macht.

Wie sieht euer Umgang mit der inneren Ambivalenz aus?

Kennt ihr diese inneren Neins? Wann habt ihr euch zuletzt darauf eingelassen, ein inneres Nein anzuhören und ihm nachzugeben? Oder zählt ihr eher zu den Verdrängern? Wie geht ihr mit dem inneren Widerstand und inneren Konflikten um?

Blog-Neuausrichtung: Work-Life-Balance!

work-life-balance

Work Life Balance

Seit einigen Wochen befinde ich mich auf der Suche nach den Kernthemen dieses Blogs. Was ist ursprünglich Thema gewesen, was in den vergangenen beiden Jahren und was möchte ich zukünftig primär thematisieren? Auf der Suche nach einer Antwort ist mir erneut bewusst geworden, wie sehr mein Herz an dem Konzept Minimalismus hängt. Viele Themen lassen sich einfach auf das ‚Weniger-ist-Mehr‘ zurückführen. Ganz gleich ob ich mich auf die Rubriken Nachhaltigkeit, Erschöpfung oder Work-Life-Balance fokussiere.

Work-Life-Balance als neue Kategorie

In den letzten beiden Jahren habe ich zunehmend über die Themen BurnOut, Erschöpfung und Vereinbarkeit geschrieben und hier ist noch längst nicht alles gesagt bzw. geschrieben, was ich zu schreiben gedenke. Die Diagnose psychovegetative Erschöpfung aus dem vergangenen Jahr hat viele Veränderungen mit sich gebracht. Lange Krankheitsphasen, Wiedereingliederungsversuche, erzwungenes Durchhalten, eine erlösende Kündigung, die Suche nach Ursachen und Zurückgewinnung von körpereigener Energie. Ich habe Prozesse angestoßen, Entscheidungen getroffen und Notbremsen gezogen. Nach und nach möchte ich diese Erfahrungen in Form von Beiträgen und Artikeln teilen. Ich halte ein ausgewogenes Verhältnis von Berufsleben und privater Zeit für essentiell. Daher ist der Begriff ‚Work-Life-Balance‘ meines Erachtens die beste Wahl, um diese Themen entsprechend zu bündeln.

Minimalismus als Work-Life-Balance Maßnahme

Denke ich über das Thema Nachhaltigkeit im Sinne einer wertschätzenden Schöpfung nach, dann ist der Verzicht auf Konsum (Minimalismus) aus meiner Sicht eine der nachhaltigsten Lebensformen. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der Work-Life-Balance. Ziel sollte doch eher eine Life-Work-Balance sein. Schließlich arbeiten wir, um zu leben und nicht umgekehrt. Weniger Arbeitszeit ermöglicht ein Mehr an Familienzeit oder ein Mehr an persönlichem Freiraum. Konsumverzicht (Minimalismus) kann die eigenen Ansprüche reduzieren. Hieraus resultiert ein günstigerer Lebensstil, der (bei Bedarf) weniger Arbeitszeit und ein Mehr an persönlichem Freiraum bedeuten kann.

Meine bisherigen Artikel zum Thema findest du in der Kategorie ‚Work-Life-Balance‚. Ich freue mich über den Austausch mit euch. Wie sehr setzt ihr euch selbst mit dem Thema auseinander? Was sind eure Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Dienstrad-Leasing – Meine Jobrad Erfahrung

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Meine Jobrad Erfahrung mit einem Giant Hardtail

Im vergangenen Jahr wurde ich auf das Dienstrad-Konzept aufmerksam und begeisterte mich sehr schnell für die Sache. Ein anständiges Fahrrad stand schon seit mehreren Jahren auf der Agenda und das wäre nun eine passende Gelegenheit, ohne enorme Anschaffungskosten aufbringen zu müssen. Nachfolgend also kurz zusammengefasst, meine Jobrad Erfahrung für euch.

Jobrad – Das Dienstrad Leasing

Beim Prinzip des Dienstrad Leasings bezieht der Arbeitnehmer kostengünstig ein Fahrrad über den Arbeitgeber. In meinem Fall habe ich meinen Vorgesetzten auf das Jobrad-Prinzip aufmerksam gemacht und er wurde daraufhin Jobrad-Arbeitgeber. Auch unseren örtlichen Fahrradhändler konnte ich von dem Konzept überzeugen und auch er wurde Jobrad-Fahrradhändler. Hier habe ich mir ein schönes Giant Hardtail ausgesucht, das dort ohnehin gerade vergünstigt angeboten wurde.

Die Abzahlung des Rades erfolgt als sogenannte Gehaltsumwandlung. Die Rate wird also bequem über mein Bruttogehalt abgerechnet. Die 1%-Regel (Dienstwagenprivileg) sorgt für steuerliche Vorteile. Einmalige Anschaffungskosten gab es keine. Am Schluss verbleibt eine übersichtliche Restrate, zu der das Fahrrad abgelöst werden kann.

Erfahrungen mit Jobrad nach vorzeitiger Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Als ich mich im 17. Monat des Leasing-Prozesses befand, entschied ich mich aus diversen Gründen mein damaliges Arbeitsverhältnis zu beenden. Es gibt eine Art Abzahlungsplan in dem man die Restrate zum jeweiligen Zeitpunkt einsehen kann. Der Arbeitnehmer kann sich überlegen das Fahrrad abzulösen und zu behalten. In meinem Fall hatte aber keiner der Kollegen Verwendung für mein Rad was bedeutet, dass es an mir ist das Fahrrad abzulösen und die Restrate zu erbringen.

Meine Jobrad Erfahrung – Ein Fazit

Eigentlich ist/war alles super. Ich liebe es, Fahrrad zu fahren. Gerne einfach nur bei Wind und Wetter zur Arbeit, als Training, um zu verreisen oder auch um irgendwann mal den ein oder anderen MTB-Marathon zu fahren. Hierfür lässt sich verhältnismäßig günstig ein hochwertiges Rad über Jobrad oder auch einen anderen Leasingrad-Anbieter beziehen.

Ich habe mich ein wenig darüber geärgert, dass man mir bei der Schlussrate preislich nicht ein wenig entgegen gekommen ist. Nach mir haben mindestens zwei weitere Mitarbeiter sehr teure Fahrräder über Jobrad bezogen, ich konnte im Verwandten- und Bekanntenkreis Leute für diese Möglichkeit gewinnen und habe den ortsansässigen Zweiradhändler für die Sache gewonnen. Aber auch nicht so wichtig.

Jobrad Erfahrung als WinWinWin-Situation

Wenn ihr die Option habt, nutzt sie. Egal ob über Jobrad, BusinessBike oder einen anderen Anbieter. In der Regel freuen sich die Arbeitgeber über die Option ihren Mitarbeitern Boni anbieten zu können. Ich habe die Möglichkeit auch immer als WinWinWin-Situation empfunden. Der Händer verkauft ein Rad ohne Verluste, das er bspw. an mich ohne die Jobrad-Möglichkeit nicht verkauft hätte. Ich selbst kann in bequemer Bruttogehalt-Dienstrad-Leasing-Manier günstiger als der Verkaufspreis ein Rad bekommen und der Arbeitgeber profitiert mit wenig Aufwand von einem gesunden und motivierten Mitarbeiter.

Bestimmt haben einige von euch ebenfalls bereits Erfahrungen mit Jobrad oder BusinessBike gesammelt. Erzählt doch gerne mal, wie es euch ergangen ist.

Do more of what makes you happy!

Do more of what makes you happy

Do more of what makes you happy

Jetzt mal ehrlich. Der Spruch hängt mittlerweile in jeder zweiten Wohnung, klebt über Schreibtischen, wird auf Postkarten verschickt und wird traurig und erschöpft dreinblickenden Menschen als die neue Lebensweisheit versprochen. Aber birgt der vermeintliche Glücklichmacher-Werbeslogan ‚Do more of what makes you happy‘ nicht tatsächlich eine traurige Wahrheit?

Do more of what makes you happy – Der positive Effekt




Als mir der Spruch vor ein paar Monaten zum ersten Mal begegnete, dachte ich – wie wahrscheinlich viele andere auch: „Wow. Diese paar Wörter erkläre ich zu meinem neuen Lebensmotto.“ Trafen Sie doch den Kern meiner damals noch sehr akuten Erschöpfungsphase. Und ja, in dieser simplen Aufforderung steckt ein enormes Motivationspotential. Sofort wird der Alltagstrott unterbrochen und eine glücklichmachende Unternehmung geplant oder angegangen. Das Bekümmertsein, die Erschöpfung, Langeweile – wo auch immer wir aktuell abgeholt werden – rückt in den Hintergrund. Die zweite Lunge, wie die Ausdauersportler sagen, wird zugeschaltet und plötzlich schwingen wir uns in Sättel, Laufschuhe, aufs Sakteboard oder reaktivieren ein anderes, viel zu stark vernachlässigtes Hobby.

Doch ist es nicht eigentlich eher traurig, dass uns ein Spruch daran erinnern muss, wieder mehr Dinge zu tun, die eigentlich gut für uns sind?

Das Traurige an dem ‚Do more of what makes you happy‘-Slogan

Erst nach ein paar Wochen habe ich festgestellt, dass der Spruch eigentlich eher eine traurige Erkenntnis birgt. Gerade die Tatsache, dass ‚Do more of what makes you happy‘ auf eine so große Zielgruppe stößt, bedeutet doch eigentlich, dass wir viel zu selten Dinge tun, die uns glücklich machen. Oder im Umkehrschluss: Wir sind doch irgendwie unglückliche Menschen.

Bedeutet das, dass wir ein Dasein fristen, dass uns eigentlich gar nicht gefällt? Ist das schon immer so gewesen oder gab es irgendwann einen Wendepunkt in unserem Werdegang, der uns das Glücklichsein genommen hat? Ist es unsere Gier, immer noch mehr haben zu wollen oder die Ruhelosigkeit, unbedingt auch den nächsten Trend noch mitgehen zu müssen? Sind es die Jobs die uns unzufrieden machen, weil sie uns häufig ganz beanspruchen, obwohl wir eigentlich mehr Zeit benötigen um Dinge zu tun, die uns glücklich machen?

Nachhaltige Umsetzung des ‚Do more of what makes you happy‘-Prinzips

Ich denke es ist keine langfristige Lösung sofort zur Outdoor-Ausrüstung zu greifen, im nächsten Weitwanderwegenetz zu verschwinden oder anderen kurzfristigen Aktivitäten nachzugehen. Für den Moment mögen sie ausreichen und vielleicht hält der Effekt auch eine Weile an, aber wie geht es dann weiter? Ich glaube wir müssen die Lebensbereiche finden, die uns unzufrieden machen und versuchen hier eine dauerhafte Verbesserung der Umstände zu erreichen. Das ist nicht immer leicht, kostet Kraft, Nerven, Geduld und funktioniert oft vielleicht auch nur in kleinen Schritten. Aber ich glaube, dass hier der Schlüssel zu einem nachhaltigen Glücklichsein verborgen liegt.

Do more of what makes you happy – Ein Fazit-Versuch

Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass uns ein Glücklichsein nicht direkt verheißen ist. Als Christ habe ich hier einige Erklärungen in der Hinterhand, aber das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Wir werden permanent von Schicksalsschlägen getroffen: Schwere Krankheiten, das Leiden liebgewonnener Mitmenschen, Zukunftsängste, weltpolitische Ereignisse, usw. Unglücklich zu sein ist keine Kunst.




Auch weiß ich als Christ, dass es eine Komponente gibt die ein sehr starkes Interesse daran hat, mich unzufrieden zu sehen. Klarheit darüber verschafft eine sehr viel größere Bereitschaft, sich dem entgegen zu stellen.

Spannend finde ich in diesem Rahmen auch die Thematik rund um das bedingungslose Grundeinkommen, denn oft sind die finanziellen Umstände starke Gründe zur Unzufriedenheit. Das Konezpt BGE würde meiner Meinung nach für sehr viel mehr gesündere Menschen in unserem Land sorgen. Gesunde und zufriedene Menschen sind motiviert, arbeitswillig, effektiv und ausgeglichen. Um nicht zu sagen: Happy.

Über das Aufraffen und in die Gänge kommen

Wer kennt das nicht? Wochen, die über alle Maßen zermürbend sind, jede Energie rauben und uns manchmal wie ein abgekautes Kaugummi ins Wochenende spucken. Egal ob das die Arbeit mit uns macht, das Zuhausesein, die viel zu langen Feierabende an denen man eigentlich ins Bett gehen sollte, Renoviermaßnahmen, Termine, usw. Samstag abends hängen wir erschöpft in den Seilen und spätestens Sonntag ist ein in die Gänge kommen kaum noch vertretbar.

Du sehnst dich nach ganz viel Regen, der einen Tag vor dem Fernseher rechtfertigen würde und bekommst das herrlichste Spätsommerwetter. Kinder hingegen, sind voller Energie und Tatendrang. Sie springen auf dir rum, während du krampfhaft nach einer Sport-Live-Übertragung suchst. Also gehst du irgendwann raus, machst die Fahrräder startklar und obwohl du dich ganz und gar nicht danach fühlst, rollt plötzlich die gesamte Familie in Richtung Waldspielplatz und Eisdiele davon. Du mittendrin und nach bereits wenigen hundert Metern sind Müdigkeit und Erschöpfung wie verflogen.

Über eine Radtour in die Gänge kommen




Radtouren sind an den vergangenen Wochenenden für uns die naheliegendste Familienunternehmung gewesen. Das Wetter war super, die Kids hochmotiviert. Ich selbst, Möchtegern-Marathonfahrer mit zu wenig Zeit- und Energieressourcen, habe mich total darüber gefreut, mich wenigstens ein bisschen sportlich betätigt zu haben und durfte sogar den Anhänger mit dem Kleinsten drin ziehen. Die Strecken waren nicht länger als 20 Kilometer und dennoch sind wir mehrere Stunden unterwegs gewesen. Pausen auf die wir Lust hatten, Berge die hochgeschoben werden mussten, steile Abfahrten für die wie uns viel Zeit ließen und schließlich, wie oben bereits erwähnt, Waldspielplatz und Eisdiele.

Aufraffen als Energiequelle

Am Spätnachmittag trudeln alle wieder zu Hause sein. Geschafft von den Strapatzen, aber stolz auf das bestandene Abenteuer.

Ich glaube, das Aufraffen ist ein wichtiger Schritt in Richtung neue Energie. An Tagen wie diesen zu Hause zu bleiben, dem inneren Schweinehund nachzugeben und auf der Couch zu versauern, führt zu einem Mehr an Trägheit, macht noch müder und fördert die Erschöpfung. Was auch immer das ‚in die Gänge kommen‘ sein mag. Ich glaube es ist besser diesem Drang ggf. etwas langsamer nachzugehen, als sich ihm gar nicht hinzugeben. Dann wird aus dem vermeintlichen Marathon-Training eben nur eine gemütliche Ausfahrt mit der Familie. Ich habe festgestellt, dass man auch hier nicht unerhebliche Trainingsreize setzen kann – Stichwort: Fahrradanhänger.




Zumindest geht es mir nach dem Aufraffen und dem in die Gänge kommen i.d.R. besser, als wenn ich zu Hause geblieben wäre. Wieviel Energiereserven stehen euch an Wochenenden zur Verfügung? Zu welchen Dingen würdet ihr euch oft gerne aufraffen, könnt aber die erforderlichen Kraft-Ressourcen dazu nirgends finden?

Einfach mal ’ne Auszeit nehmen!

Als mich der Wecker meines Smartphones um halb sieben ans Aufstehen erinnert, klettere ich schlaftrunken aus meinem Schlafsack. Mit einer Milchkanne in der Hand und ohne Frühstück im Bauch, trotte ich kurz darauf mit meinen Wwoofing-Kollegen durch eine viel zu hohe norwegische Wiese und ärgere mich, die mir angebotenen Gummistiefel ausgeschlagen zu haben. In meinen klatschnassen Sneakern steige ich – immer noch im Halbschlaf – über einen Stacheldrahtzaun, als mir eines der Wwoofing-Mädels zuflüstert: „Wenn er auf dich zukommt, läufst du ihm laut brüllend entgegen!“

Ich kann ihr nicht ganz folgen und noch während ich versuche mir die tiefere Bedeutung ihrer Aussage bewusst zu machen, passieren wir eine Hecke hinter der mir der buchstäbliche Tod aus unsäglich großen Nüstern seine Meinung über mich direkt ins Gesicht schnaubt. Auge in Auge stehe ich einem der größten Bullen gegenüber, den Südnorwegen je gesehen haben muss. Ich weiß noch wie ich dachte: „Der ist doch 100Pro gedopt!“, bevor ich Schutz hinter meinem Milchkännchen suchte.

Agentur-Alltag vs. Blick über den Tellerrand




Meine Gedanken schweifen ab. Zurück zu meinem gut 2000 Kilometer weiter südlich gelegenen Wohnsitz. In wenigen Minuten wird vermutlich Jutta die Tür zu unserer Agentur aufschließen. Gefolgt von weiteren Mitarbeitern die ihre Plätze als Art Designer, Webworker, Social-Media- oder SEO-Experten einnehmen. Ich überlege kurz, ob ich mich im Angesicht des Bullen jetzt lieber einem bevorstehenden Kundentermin, einer TYPO3-Schulung oder meiner To-do-Liste für Projekt XYZ zuwenden würde, gelange gedanklich aber zu einem klaren Nein. Zuerst will ich wissen was der Bulle davon hält, wenn wir uns an sein Mädchen ranmachen.

Auszeit nehmen vom Job! Oder: Familie geht vor.

2013 rangen wir uns endlich dazu durch, einen längeren Auslandsaufenthalt in Angriff zu nehmen. Ein altes Wohnmobil kaufen und kreuz und quer durch Skandinavien reisen. Unser Ältester sollte im darauffolgenden Jahr eingeschult werden, was längere Vorhaben wie dieses für die nächsten Jahre zwar nicht unmöglich, aber dennoch unwegsam machen würde. Zwar ließen finanzielle Engpässe den Traum vom Wohnmobil schnell platzen, aber das tat der Sache keinen Abbruch. Wir entdeckten das Wwoofing-Konzept für uns und so pendelten wir in perfekter Work-and-Travel-Manier von einer Farm zur nächsten (Wwoof = World-Wide Opportunities on Organic Farms | weitere Infos auf www.wwoof.net).

Selten hat mir eine Entscheidung so viel Mut abverlangt, wie die zu meinen Vorgesetzten zu gehen und sie darüber zu informieren, dass ich mir eine längere Auszeit nehmen möchte. Sich rar zu machen, kann in kleineren Betrieben echte Löcher reißen, die ohne weiteres auch nicht akut durch eine Ersatzkraft überbrückt werden können. Die Last verteilt sich daher meist auf die verbleibenden Mitarbeiter, weshalb eine verhaltene Reaktion seitens der Geschäftsführung hinsichtlich derart außergewöhnlicher Anfragen durchaus nachvollziehbar ist. Doch das Gefühl die Batterien mal wieder aufladen zu müssen und Abstand zu bestimmten Projekten zu gewinnen gewann zunehmend an Priorität. Außerdem sollte unser familiäres Bedürfnis einen positiven und stärkenden Effekt auf unser Zusammensein als Familie haben und ein gut funktionierendes privates Umfeld ist für mich Grundvoraussetzung für gute Leistungen am Arbeitsplatz.

Hinterm Horizont…

Also hieß es irgendwann tatsächlich: Auszeit nehmen! Wir fuhren los, gespannt auf die Ereignisse die da oben auf uns warten würden. Während unseres Wwoofing-Projekts ernteten wir Unmengen an Kräutern, machten Holz, bauten eine Carport-Auffahrt, schlachteten Schafe, bauten Zäune, lernten sehr viel über nachhaltige und alternative Lebenskonzepte und knüpften Kontakte, die noch heute von Bestand sind. Natürlich konnte ich keine dieser gewonnenen Erkenntnisse in irgendeiner Form unmittelbar in meinen Arbeitsalltag implementieren. Aber diese Auszeit hatte auch nicht das Ziel einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme, vielmehr ging es um eine persönliche Horizonterweiterung unter Berücksichtigung meiner akuten Bedürfnisse. Diese eigene Achtsamkeit mir gegenüber führte zu einer neuen und gesteigerten Motivation für meinen Job. Voller Tatendrang kehrte ich zurück und stürzte mich energiegeladen auf alte wie neue Projekte. Ich konnte konsequent und effizient meinen Arbeiten nachgehen und so meinen Arbeitgebern das zurückgeben, was sie mir an Freiraum ermöglicht hatten.




Nachwort an die Arbeitnehmer

Ich kenne Workaholics die über Jahre hinweg so gut wie keinen Urlaubstag in Anspruch nehmen, anscheinend aber auch nicht das Bedürfnis oder den Drang nach einer Auszeit verspüren. Daher kann man sicher nicht pauschalisieren und behaupten, dass Auszeit nehmen vom Job das Beste für jeden Angestellten ist. Sollte es dir aber ein Herzensanliegen sein und du das Gefühl haben, dass du im Sinne deines eigenen Wohlbefindens dringend Abstand vom Arbeitsalltag benötigst, dann geh das Thema an. Suche das Gespräch mit deinen Vorgesetzten und lote Möglichkeiten zur Umsetzung aus. Vielleicht sparst du vorab ein wenig Geld, mit denen du eine unbezahlte Auszeit finanzieren kannst. Eventuell ist in deinem Arbeitsumfeld aber auch ein Sabbatical möglich oder dir stehen noch ein paar Monate Elternzeit zu, die du hierfür einsetzen kannst.

Nachwort an die Arbeitgeber

Die Auszeit eines Mitarbeiters kann sich im ersten Moment als nicht sehr lukrativ darstellen. Doch der aus der Auszeit zurückkehrende Angestellte ist sicherlich ein Gewinn für Unternehmen, Kunden und Kollegen. Überlegen Sie, inwiefern sich das Ermöglichen von Auszeiten effektiv auf Ihre unternehmerischen Ziele auswirken kann. Gesunde und leistungsfähige Teamplayer werden das Ergebnis sein. Weniger unplanmäßige Ausfälle durch Fehltage. Eine höhere Bereitschaft zu Höchstleistungen in Stoßzeiten, usw.

Vielleicht gehen Sie sogar einen Schritt weiter und räumen Auszeiten nicht nur grundsätzlich ein, sondern fordern Ihre Mitarbeiter regelrecht dazu auf, in regelmäßigen Zyklen Abstand für einen bestimmten Zeitraum vom Unternehmen zu gewinnen. Eine konzeptionelle und rechtzeitige Herangehensweise an diese Thematik sorgt für geplante und kompensierbare Auszeiten. Teilen Sie Ihren Angestellten mit, dass Sie die Vorhaben und Bedürfnisse Ihrer Kollegen kennenlernen und unterstützen wollen. Dadurch sorgen Sie für klare Verhältnisse unter den Mitarbeitern und beugen schlechtem Gerede und Mobbing-Versuchen vor.

Diagnose: Psychovegetative Erschöpfung

psychovegetative erschoepfungSeit etwa einem Jahr sehe ich mich mit der Diagnose ‚Psychovegetative Erschöpfung‘ konfrontiert. Wobei die Dinge streng genommen schon sehr viel früher ihren Lauf nahmen. Doch wie es meistens so ist, habe ich diverse Anzeichen über Monate und Jahre geflissentlich ignoriert, bis der Körper schließlich die Reißleine zog. Also fand ich mich in unserem Badezimmer wieder. Ich vermutete eine Unverträglichkeit hinsichtlich der Pizza vom Vorabend und nach mehreren Stunden auf der Toilette verließen mich langsam aber sicher die Kräfte.

Ich hatte so eine Ahnung, dass mein Körper jeden Moment den Geist aufgeben würde und bat meine Frau um Beistand. Kaum war sie da, durchfuhr meine Gliedmaßen ein immer stärker werdendes Kribbeln. Ich weiß noch dass ich versuchte das Gefühl irgendwie einzuordnen und dachte, so fühlt es sich also an, wenn dir jemand Überbrückungskabel an Füße bzw. Hände klemmt und langsam die Voltzahl hochdreht. Doch was sich heute beinahe leicht erzählen lässt, war damals alles andere als amüsant.

Das Rauschen in Armen und Beinen wurde stärker, bis schließlich eine Taubheit von mir Besitz ergriff, die mir jede Kontrolle über meinen Körper nahm. Ich schaute auf meine in Pfötchenhaltung verkrampften Hände und konnte sie einfach nicht mehr bewegen. Panisch stellte ich fest, dass sich das seltsame Kribbeln auch in meinem Kopf breitmachte. Das soll es also gewesen sein, dachte ich. So fühlen sich Schlaganfall oder Herzinfarkt an. Gleich fällst du um und das mit Mitte dreißig. Ich hyperventilierte. Meine Frau, die mittlerweile den Notarzt verständigt hatte, weinte und versuchte mich zu beruhigen. Erst als mich die Sanitäter die Treppe runtertrugen und ins Krankenhaus brachten, fuhr mein Körper langsam wieder zurück, in einen annehmbaren Modus.

Erstmal einfach nur krank!




Ich litt bereits seit Jahren unter sporadisch auftretenden Magen-Darm-Krämpfen und reimte mir irgendwann eine Laktoseintoleranz zusammen. Der Verzicht auf Laktose-Produkte schien die Problematik zu beheben oder zumindest deutlich zu reduzieren und somit konnte ich mich vor weiteren Untersuchungen vorerst drücken. Hiervon überzeugte ich auch die Ärzte im Krankenhaus. Ich erzählte ihnen von der Vorabendpizza, dass ich hiermit schon seit längerem zu kämpfen hätte, versprach zu Testzwecken auf einen Laktose-Cocktail vorbeizukommen und sie ließen mich wieder gehen.

Einen Tag später fand ich mich wie gewohnt auf der Arbeit ein. Am Wochenende drauf allerdings, erneut im Krankenhaus. Mit dem Gefühl entweder total neben mir zu stehen oder jeden Moment umkippen zu müssen, wurde ich an meine Hausärztin verwiesen, die mich prompt aufgrund eines Magen-Darm-Infektes krankschrieb.

Ich ruhte mich aus, ließ die Woche vorüberziehen und stellte mich erneut dem Alltag. Doch irgendwie wollte nichts mehr so richtig funktionieren. Treppensteigen, nur um das Stockwerk zu wechseln, wurde zu einem Gewaltak,t nach dem ich mir erstmal eine halbe Stunde Schlaf gönnen konnte. Bei fortgeschritteneren körperlichen Anstrengungen wurde mir schwindelig und schwarz vor Augen. Meine Stimmung sank mit jeder Anforderung, mit jedem ‚Muss‘ immer tiefer in den Keller. Nicht zu wissen was da überhaupt mit mir passierte, nahm sie mir jede Orientierung und ließ mich zunehmend verzweifeln.

Also schrieb ich meine Therapeutin an, die ich vor einigen Jahren in einer anderen Sache konsultiert hatte und bat um einen Termin. Und dann kam langsam Licht ins Dunkel.

Burn-Out statt Kreislaufkollaps

„Herr Suhre, Sie sind erschöpft! Drei kleine Kinder, die Sanierung eines Altbaus und eine 32-Stunden-Woche? Das geht an niemandem spurlos vorüber! Vor allem dann nicht, wenn man (wie Sie!) in all diesen Dingen zu wenig auf sich achtet. Was Sie da hatten war eine handfeste Panikattacke. Durch Unachtsamkeit haben Sie die Tür zur Panik geöffnet und nun heißt es diese Tür wieder zu schließen. Und ihre langjährigen Magen-Darm-Beschwerden sind sicherlich ebenfalls psychosomatisch begründet.“

„Aha! Was kann ich tun?“

„Sie brauchen eine Pause. Wenn ich Sie mit der Diagnose Erschöpfung zum Hausarzt schicke, schreibt Sie dieser für mindestens 14 Tage krank.“

Die Hausärztin schlug mindestens 3 Wochen vor, doch ich handelte sie auf 14 Tage runter. „Eine so lange Auszeit um wieder in die Spur zu kommen braucht kein Mensch.“ Aus den 14 Tagen wurden 3 Monate, mit anschließender zweimonatiger Wiedereingliederung, in der ich langsam die Stundenanzahl erhöhte, bis ich mich auf dem Volumen einer halben Stelle befand, die ich bis heute halte.

Psychovegetative Erschöpfung als Neuanfang

Ich zitiere aus dem Disney/Pixar-Film Cars.

Lightning McQueen (im Gespräch mit Miss Sally): „Ich versteh das schon. Du musstest einfach mal ne Auszeit nehmen und deine Batterie wieder aufladen. Aber wieso bist du nach ’ner Zeit nicht wieder in dein altes Leben zurück?“

Ich erinnere mich, dass ich eine ähnliche Frage vor einigen Wochen auch meiner Therapeutin stellte. „Auch wenn es mir inzwischen deutlich besser geht, überkommen mich nach wie vor ab und an Phasen körperlicher und mentaler Erschöpfung. Wann kann ich endlich wieder in den Zustand vor diesem ganzen Schlamassel zurück? Wieso kann ich nicht längst schon wieder die Energie aufbringen, die mir vor alledem zur Verfügung stand?“




Das tolle an der Herangehensweise meiner Therapeutin ist, dass sie mir hilft Fragen wie diese selbst zu beantworten. Das Ungleichgewicht meiner bisherigen Lebensweise hat mich erst in diesen Schlamassel geführt. Es ist wichtig nicht zurück, sondern nach vorne zu schauen und sich ein neues Gleichgewicht zu erarbeiten. Das ist ein anstrengender und langwieriger Prozess, der von Höhen und Tiefen geprägt ist und der Ausdauer und Geduld erfordert.

Eine Umstellung der Lebensumstände ist oft nicht leicht und geschieht nicht von Heute auf Morgen. Lasse ich aber das vergangene Jahr Revue passieren, dann sehe ich die vielen positiven Ergebnisse der Veränderungen, die ich oder wir als Paar und Eltern durchgeführt haben. Tage, an denen ich so richtig in den Seilen hänge, gibt es nach wie vor, aber sie werden immer seltener. Außerdem kann ich sie einordnen und weiß mit ihnen umzugehen. Der Prozess der Umstrukturierung kann auch Spaß machen und ich bin gespannt auf die Veränderungen, die uns noch bevor stehen.

Nachwort

Unterhalte ich mich über dieses Thema mit anderen Leuten, dann erfahre ich oft, dass entweder mein Gesprächspartner selbst oder eine Person aus seinem unmittelbaren Umfeld ebenfalls mit der Thematik vertraut ist. Von Hörensagen weiß ich, dass die Anzahl der an Burn-Out erkrankten Mitarbeiter in großen deutschen Konzernen jährlich Kosten in Millionenhöhe verursachen und stellt man weitere Recherchen an, dann wird man Deutschland als eines der Länder mit den meisten Burn-Out-Erkrankungen relativ weit oben in den Bestenlisten finden.

Zum Thema ‚Psychovegetative Erschöpfung‘ ist längst nicht alles gesagt und ich habe mir fest vorgenommen, weitere Artikel mit meinen Erfahrungen zu verfassen. Natürlich freue ich mich aber auch über einen Meinungsaustausch mit euch. Kommentiert daher gerne fleißig.