Einfach anders: Minimalismus Lebensstil




Es gibt für mich so viele Gründe, die mich dazu bewegen mein Leben reduzierter zu gestalten. Ich vermute, dass dieser eine Blogeintrag nicht ausreichen wird, den Minimalismus Lebensstil im Einzelnen zu erläutern. Außerdem kommen andauernd weitere gute Gründe hinzu. (Nachtrag im Mai 2017: Daher empfehle ich meine aktuelleren Artikel zum Thema. Konkrete Verweise findet ihr unten.)

Minimalismus Lebensstil: Wie alles begann

Angefangen hat alles vor ein paar Jahren. Eine Hauskreisbekanntschaft lebte (bewusst oder unbewusst, wie auch immer) einen sehr reduzierten Lebensstil. Bei ihr war es immer aufgeräumt, nicht zugestellt und trotzdem gemütlich. Wir hingegen standen in unserem kleinen angemieteten Fachwerkhäuschen und wunderten uns darüber, wie viele Gegenstände man in nicht ganz sieben Jahren Ehe zusammentragen kann. Garage voll, Keller voll. Und dann waren da noch zwei Räume im Haus, die wir gegenüber uns besuchenden Freunden als Archive deklarierten oder direkt versuchten geheim zu halten. Das hatte den Zweck, dass kein näheres Interesse daran bestand die Räume zu betreten und wir so nicht in Erklärungsnot gerieten, warum sich die Türen so schwer öffnen ließen.

Also begann das große Ausmisten. Und wir freuten uns über jedes überflüssige Teil, das unser Haus verließ. Insbesondere dann, wenn es nicht weggeschmissen werden musste, sondern sinnvoll zu einem neuen Besitzer wechselte, der es noch gebrauchen konnte.

Gute Gründe: Minimalismus Lebensstil

Ich werfe mal ein paar Gedanken in den Raum, warum ich es toll finde minimalistisch zu leben oder wie reduzieren für mich konkret funktioniert, welcher Nutzen sich für mich dahinter verbirgt. Wie gesagt: Vielleicht ergibt sich zu einem späteren Zeitpunkt mal die Gelegenheit genauer darauf einzugehen. Ich freue mich aber natürlich trotzdem auch jetzt schon über euer Feedback zu den einzelnen Aspekten.

  • Minimalismus aus Loyalität gegenüber anderen Menschen, die gar keine andere Wahl haben, als ein reduziertes Leben zu führen.
  • Viel Besitz bedeutet, viel Zeit in Pflege und Administration dieses Besitzes zu investieren. Zeit, die ich stattdessen mit Familie, Freunden, Sport oder anderen Interessen füllen könnte.
  • Viel Besitz benötigt viel Raum/Platz. Platz muss gekauft, angemietet, beheizt, bestromt, gereinigt, was auch immer werden. Kosten, die mit weniger Besitz eingespart werden könnten. Eingesparte Kosten können in andere Dinge investiert werden oder aber die Reduzierung meines Angestelltenverhältnisses (Stundenanzahl, halbe Stelle, usw.) bedeuten.
  • Andere haben es vorgemacht, den Blick auf wesentlichere Dinge gelenkt und sind damit auch ganz gut gefahren (Jesus, sämtliche seiner Nachfolger, Ghandi, etc.).
  • Wenn alle weniger besitzen würden, müssten wir wieder mehr aufeinanderzugehen, um den verbleibenden Besitz miteinander zu teilen. Thema: Leben in Lebensgemeinschaften.
  • Minimalismus bedeutet für mich, vor allem auf Quantität zu verzichten. Nicht jedoch auf Qualität.
  • Minimalismus ist erstmal nur mein Minimalismus. Es ist toll, dass ich ihn mit meiner Frau teilen kann, aber ich würde es ihr oder auch unseren Kindern nie aufoktroyieren.
  • Weniger Besitz erhöht die Flexibilität. Wenn ich aus beruflichen, familiären oder welchen Gründen auch immer plötzlich an einen anderen Ort ziehen müsste, ist das mit weniger Zeug ein viel leichteres Unterfangen.

Minimalismus Lebensstil: Ein Fazit

Unser Häuschen ist nach wie vor ziemlich voll. Aber es sieht hier schon deutlich anders aus, als es noch vor einem Jahr der Fall war. Natürlich kommen Dinge hinzu, aber heute in der Regel nur noch unter der Prämisse, dass zuvor 3 oder 4 andere Gegenstände das Feld räumen. Wir gehen mittlerweile ganz anders einkaufen und überdenken Anschaffungen hinsichtlich Sinn bzw. Unsinn sehr viel gründlicher.




(Nachtrag: In aktuelleren Artikeln, insbesondere auf dem Blog meiner Frau, erfahrt ihr, dass wir das kleine Fachwerkhäuschen in den darauffolgenden Jahren weiterhin kräftig ausräumten. Als wir soweit fertig waren, begann ein anderer Lebensabschnitt. Wir gingen ins Ausland, kündigten unser angemietetes Häuschen und kauften stattdessen das Haus einer alten Dame, eine alte Schule. Wir kauften es mit all ihrem Besitz, voll bis unters Dach! Das reduzieren begann von vorne und hält noch immer an… 😉 )

6 Comments

  1. Die Hauskreisbekanntschaft – das bin wohl ich…. 😉 – bewußt oder unbewußt? Ja, schon aus Überzeugung, aber dass Minimalismus nun eine Art Lifestyle ist, hatte ich nicht mitbekommen. Hm. Aber gut.
    Um ehrlich zu sein (das ist ja immer gut), Wegschmeißen und Aussortieren fällt mir total schwer, man kann ja alles noch mal gebrauchen – ja wirklich – keine Ausrede! Wenig neues Zeux ranschaffen, das fällt mir schon leichter. Könnte aber auch einfach an den Finanzen liegen…………….
    Trotzdem. Überfüllte Schränke und zugestellte Wohnungen machen mich nervös. Das Gefühl, viel zu viel zu besitzen, zu viel, um es überhaupt zu benutzen. Klamotten, die ich nie trage. Bücher, die ich nie gelesen habe. Zeitschriften, die ungelesen auf dem Dachboden verschwinden – warum eigentlich auf den Dachboden??? Als würden sie jemals wieder hervorgeholt. Unglaublich schwer, so ein Umzugskarton Zeitschriften, von einer Dachgeschosswohnung in die nächste. Und dann: In der Jungschar möchte ich mit den Kids Collagen basteln. Hat jemand alte Zeitschirften gesammelt? […] Gut, dass nicht jeder REDUZIERT LEBT.

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  2. Hej

    egal wie ich es auch dreh und wende, so sehe ich ständig Vorteile mit dem „Weniger“.
    Nicht nur dass es meinen Geldbeutel schont, es schafft mir Bewegungsraum im Haus, es bedeutet mehr freie Zeit, denn die Dinge beanspruchen immer Zeit, meist ganz einfach um sie in Ordnung zu halten.
    Der Umwelt tut es gut, wenn ich weniger konsumiere wohingegen nicht den Konzernen. Das ist gleichzeitig meine Art von Widerstand.
    Ich selbst bekomme mehr Zeit und das tut mir und meinem Umfeld gut, denn ich habe nicht nur weniger Stress, sondern kann meinen Neigungen nachgehen und bin dadurch ausgeglichener.

    Letztendlich ist es ja schon „immer bekannt“ gewesen und wird in allen Religionen vertreten: es macht den Geist frei fuer das Leben an sich.

    Die Kunst ist halt seine eigene Grenze zu finden und zu setzen!
    Eine Gebrauchsanweisung gibt es nicht…bei mir werden zB Buecher dennoch mehr! 😉

    Kap Horn

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