[Anzeige] Shiftphone und Fairphone 2 im Test

Wenn ihr meine Beiträge auf YouTube verfolgt (Abo lohnt sich), dann wisst ihr bereits, dass ich kürzlich sowohl das Fairphone 2 auspacken, als auch einen Shiftphone Test zuhause durchführen durfte. Beide Geräte wurden mir freundlicherweise von vireo.de zur Verfügung gestellt.

[Anzeige] Shiftphone und Fairphone 2 im Test

 

Grundsätzlich halte ich Smartphones für eine tolle Sache. Sie vereinen so viele Funktionen, die ich andernfalls auf verschiedene Geräte auslagern müsste. Kamera, Navi, MP3-Player, Taschenrechner, Taschenlampe, um nur ein paar wenige zu nennen. Aber Smartphones sind auch ein Ärgernis. Lassen wir mal Aspekte wie eventuelle Sollbruchstellen, Langlebigkeit und hohe Anschaffungskosten etc. außen vor, dann bleibt da noch das Problem des unter eher unsozialen Kriterien stattfindenden Herstellungsprozesses, sowie der unfair gehandelten Rohstoffe.

Dem versuchen die Hersteller von Shiftphone und Fairphone entgegenzuwirken. Wobei beide Firmen sich hierbei nicht als Konkurrenten sehen, sondern in gutem Kontakt stehen und gegenseitig in ihren Ideen voneinander profitieren.

Das Fairphone 2 – Testdaten

Fairphone 2 ReviewNachstehend die Besonderheiten des zweiten Socialphones. Die vielen weiteren technischen Details könnt ihr auf der Herstellerseite einsehen.

  • Auch im Fairphone sind Gold, Wolfram, Zinn und Tantal verbaut. Allerdings werden die Bezugsquellen dieser Mineralien transparent dargelegt und sichergestellt, dass sie unter fairen Bedingungen beschafft werden. Genauere Infos hierzu findet ihr auf der Fairphone-Webseite.
  • Das Fairphone lässt sich in diverse Einzelteile zerlegen und ist daher leicht zu reparieren. Dieses modulare Konzept ist bewusst so gewählt, da es die Geräte im Sinne der Nachhaltigkeit langlebiger machen soll. Die einzelnen Module können natürlich auch über vireo.de nachbestellt werden.
  • Zwei SIM-Karten-Slots.
  • 32 GB Datenvolumen inklusive. Erweiterbar mit diversen SD-Karten, meines Wissens mit bis zu 200 GB. Kompatibilität bitte bei Fairphone recherchieren.
  • Von Haus aus mit einem “Fallschutz”/Rundum-Case ausgestattet. Ein zusätzlicher Bumper ist also nicht erforderlich.
  • Android 6.0. Regelmäßige Software-Updates sollen ebenfalls zur Langlebigkeit des Gerätes beitragen.
  • 8 MP Hauptkamera, 2 MP Frontkamera
  • 5 Zoll Full-HD-Display (1080 * 1920)
  • Kostenpunkt: um die 520,- EUR (Stand Juni 2017)

Shiftphone Test und Daten

Shiftphone TestWie zuvor beim Fairphone ein paar interessante Fakten und dann ein paar Details zum Shiftphone selbst.

  • Auch hier zählt die Nachhaltigkeit, damit der Nutzer möglichst lange etwas von seinem Shiftphone hat: Der Speicher ist erweiterbar, der Akku ist einfach zu tauschen.
  • Reparaturen sind günstig, können aber auch selbst durchgeführt werden. Ersatzteile sind im Shop erhältlich, Videoanleitungen gibt es im Shiftphone-YouTube-Kanal.
  • Die Gewährleistung des Gerätes bleibt bestehen. Auch wenn man es aufschraubt oder rootet.
  • Nachweislich faire Löhne und Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit, gute Arbeitsbedingungen.
  • Shiftphones sind frei vom Konfliktmaterial Coltan.
  • Sehr zu empfehlen ist der Shift-Report 2016. Hier findet ihr sämtliche Informationen darüber, was das Shiftphone zu einem fairen Produkt macht.
  • Ich habe als Testgerät das Shift 5.2 erhalten. Es gibt außerdem noch ein Shift 4.2 Smartphone und ein Shift 7+ Phablet. Ab 2018 sollen mit dem Shift6m und dem Shift6mq zwei weitere Shift-Smartphones erscheinen. Bereits für Herbst diesen Jahres ist ein 12″-Notebook angekündigt (Shift12).
  • 2GB DDR RAM +16 GB int. Speicher (erweiterbar: microSD: Support bis 64 GB)
  • Android Version 5.1
  • 5 MP Front- and 8MP Rückkamera
  • 5″-HD (1280*720p) IPS Display
  • neue, zweilagige Touch-Einheit + Gorilla-Glas
  • 2000 mAh Akku (wechselbar)
  • Maße: 144 x 72 x 7 mm, Gewicht: 140 gr
  • Dual SIM: normal und micro, parallel benutzbar
  • WIFI, Bluetooth, GPS
  • Sensoren: Proximity, G: Beschleunigung, Orientation
  • Anschlüsse: Standard micro USB (OTG), Kopfhörer
  • Kostenpunkt des Shift5.2 = nicht ganz 300,- EUR
  • Hier gelangt ihr direkt zur Shiftseite auf vireo.de

Shiftphone Test / Fairphone Test – Fazit

Mit diesen beiden Geräten bin ich quasi das erste Mal mit dem Android-OS in Berührung gekommen. Ich habe beide Geräte eingeschaltet, mich mit meinem Google-Konto registriert, durch die Anwendungen geklickt und das Handling getestet. Beide Geräte reagieren absolut zeitnah und zuverlässig. Die Touch-Displays verhalten sich so, wie ich es von meinem alten iPhone oder dem Lumia 640 gewohnt bin. Hier kann ich weder Vor- noch Nachteile feststellen.

Sympathisch und gut überlegt: Beide Phones kamen ohne Ladegerät, da die Hersteller davon ausgehen, dass sich bereits mehrere Micro-USB-Auflademöglichkeiten in unseren Haushalten befinden. Das spart natürlich Elektroschrott ein. Falls doch ein Ladegerät benötigt wird, kann dies natürlich über vireo.de bezogen werden.

Hinsichtlich des Betriebssystems möchte ich nicht weiter ins Detail gehen. Ich kann mir sehr gut vorstellen Android längerfristig zu nutzen, würde mich aber über Maßnahmen informieren, wie ich das Gerät vor Zugriffen von außen weitestgehend abschirmen kann. Das Fairphone bietet alternativ ein Fairphone OS das zwar auch auf Android basiert, aber ohne Installation diverser Google-Apps/-Services auskommt. Im Netz gibt es außerdem Anleitungen, wie sich andere Betriebssysteme wie bspw. Ubuntu Touch, Firefox OS oder auch Sailfish installieren lassen.

Für mich spielen bei Kaufentscheidungen auch Design und Haptik eine tragende Rolle und hier hat das Shiftphone nach meinem Ermessen einen deutlichen Vorsprung. Das Case des Fairphones wirkt einfach sehr plastisch, schlüpfrig und weniger hochwertig. Außerdem macht es das Gerät ziemlich dick und plumb. Das ein durchdachtes Design den Machern des Shiftphones sehr am Herzen liegt, merkt man sofort wenn man das Shiftphone in die Hand nimmt. Es ist schlank, wirkt sehr hochwertig verarbeitet und lässt sich auch ohne Case oder Bumper sehr gerne anfassen.

Shiftphone TestEin weiterer Pluspunkt für das Shiftphone ist der Hinweis auf der Rückseite des Gerätes:

“Smartphones can be timekillers. There ist no greater gift for you today, than the next 24 hours. Use them wisely. People are more important than machines.”

Also wenn einem bei so viel Wahrheit und Uneigennützigkeit nicht das Herz aufgeht… ;-)

Ich konnte mich tatsächlich durch den Shiftphone Test ein wenig in das Gerät verlieben und da mich mein Lumia seit einigen Wochen immer häufiger im Stich lässt habe ich das Gefühl im Shiftphone mein neues Smartphone gefunden zu haben.

Was denkt ihr? Konnte ich euch von einem der beiden Geräte überzeugen? Oder habt ihr bereits Shiftphone oder Fairphone im Einsatz? Dann würde mich natürlich euer Feedback interessieren.

Abschließend noch mal die Info: Beide Geräte plus sämtliches Zubehör erhaltet ihr bei vireo.de, was ich euch als Bezugsquelle wärmstens empfehlen kann. Nachhaltiges Konzept, durchdachte Produkte, netter Kontakt. Unterstützenswert eben. ;-)

Epilog zum Shiftphone Test: Ihr seid es nicht gewohnt bei mir als ‘Anzeige’ deklarierte Texte zu lesen. Kooperationsanfragen zu Produkttests gehen i.d.R. von mir aus, weil mich die Produkte wirklich interessieren. Ich wollte also unbedingt diese zwei Smartphones testen und diesen Artikel schreiben. Dass sich vireo.de auf meine Anfrage hin bereit erklärt hat diesen Artikel zu finanzieren, freut mich natürlich als Blogger umso mehr!

Facharbeit zum Thema Minimalismus

Facharbeit zum Thema Minimalismus

Im vergangenen Jahr wurde mein Blog von 4 Mädels gesichtet, die für eine Facharbeit zum Thema Minimalismus recherchierten. Die Fragen waren knallhart, gut durchdacht und zwangen mich über viele Dinge erneut nachzudenken und meine Prinzipien und Standpunkte ein weiteres Mal zu hinterfragen. Im Juli 2016 habe ich mit der Einverständnis von Henriette, Chiara, Gesine und Luise das Interview veröffentlicht.

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Mail von den Vieren, die die fertige Facharbeit enthielt. Ich schlug ihnen vor die Arbeit über epubli bereitzustellen und so ein wenig Honorar für die vielen investierten Stunden einzustreichen, doch hier ein Zitat aus ihrer letzten Mail:

“Wir haben uns dazu entschlossen, unsere Arbeit als kostenlosen pdf-Download zur Verfügung zu stellen und es wäre super, wenn du deinen Blog dafür hergeben würdest. Das Ziel unserer Arbeit war es ja, Menschen über den Minimalismus zu informieren und ihnen die Grundlage für eigene Entscheidungen zu bieten. Deswegen möchten wir auch so viele Leute wie möglich erreichen. (Wir überlegen auch, eine Art “Fortsetzung”, nämlich die mündliche Verteidigung unserer Arbeit, die wir letzte Woche angetreten haben, ebenfalls zu verschriftlichen…)”

Die Arbeit wirkt so professionell, dass sie eher an eine Diplom- bzw. Masterarbeit erinnert und es würde mich nicht wundern, wenn hier ein neues Standardwerk zum Thema Minimalismus geschaffen wurde. Aber macht euch einfach selbst ein Bild: Download der Seminarfacharbeit Minimalismus als PDF (ca. 500 KB).

 

Über das Zuhause sein – Alltag mit Kindern teilen

Vor einigen Monaten haben verschiedene Gründe zu einer Reduzierung meines Angestelltenverhältnisses auf 50% geführt. Halbe Stelle. Im Gegenzug ist meine Frau auch auf Stellensuche gegangen und besetzt nun ebenfalls eine halbe Stelle. Zwei Tage in der Woche alleine zu Hause, mit phasenweise bis zu drei Kindern im Alter von 1 bis 7 Jahren. Kann nicht so schlimm werden, dachte ich mir. Meine bessere Hälfte hat es die letzten Jahre ja auch sehr gut gemeistert.

Das volle Programm

An einem der beiden Tage gehe ich das volle Programm. Von morgens halb neun bis abends um 22:30 Uhr. Bespaßung, Fütterung, Abholorganisation von Kindergarten sowie Schule, Mittagsschlaf des Jüngsten, nach Möglichkeit die Kinder an der frischen Luft bewegen, zur Nachmittagsentlastung ggf. Verteilung diverser Kinder an eventuell zur Verfügung stehende Babysitter, Wiedereinsammeln aller Kinder, Durchzählen, erneute Fütterung, Abendprogramm in Form von gemeinsamem Spielen mit anschließendem Insbettbringen der zwei Jüngsten, weiterführende Bespaßung für Fortgeschrittene (K1).

Läuft es richtig gut, sitz ich um 21:00 Uhr auf dem Sofa und bin in der Lage mich zu sammeln. Entweder ich konnte banale Nebenaktivitäten wie Küche in Schach halten/nach Gebrauch wieder in Schuss bringen, Wäsche waschen/aufhängen/abhängen/wegfalten/einsortieren, Wohnzimmer (mit teilintegrierten Spielestationen (Duploecke, Holzeisenbahnecke, Spielteppich, Leseecke, Malsachen aus Mamas Kreativschrank, usw.)) aufräumen irgendwie parallel abwickeln, andernfalls muss ich es jetzt noch tun. Oder ich unterlasse es, leg mich erledigt quer auf die Couch, nutznieße meinen Lieblingsstreaminganbieter und nehme in Kauf, dass die Frau nach Feierabend ein Trümmerfeld vorfindet und weinend wieder zurück zur Arbeit fährt.

Das halbe Programm

(Oh, draußen schneits! K3 schläft, K1 kann mal kurz iPad spielen, K2 ist bei einer Kindergartenfreundin – also raus Schnee schippen.) Wieder drin setze ich mich schnell vor den Rechner und versuche einen Artikel zu verfassen (diesen), den aufgrund der geringen Trafficzahlen meines nur rudimentär gepflegten SchaumImOhr-Blogs ohnehin kaum jemand lesen wird. Dann heißt es, in ähnlicher Manier wie gestern weiter machen, bis meine Frau zwischen sechs und halb sieben zu uns stößt und wir gemeinsam Abendessen können.

Zu zweit ist man zu Hause weniger allein

Es macht einen enormen Unterschied, ob man zu Hause zu zweit ist oder alleine. Die Arbeit wird deswegen nicht weniger, aber sie kann geteilt werden und geht einem leichter von der Hand. Das ermöglicht ‘Spielraum’, in dem man sich mehr und bewusster auf die Kids einlassen kann. Plötzlich ist Platz für eine 1:1-Betreuung in der man bspw. mit K1 sehr viel ruhiger und freundlicher Hausaufgaben machen kann, ohne permanent durchs Wohnzimmer hechten und einen der Übriggebliebenen davor retten zu müssen irgendwo runter zu fallen.

Während ich gestern versucht habe mit K2 Erdnussbutterkekse zu backen, wäre K3 beinahe zwei mal vom Stuhl geplumpst und K1 an der Suche nach seinem verschwundenen Geldbeutel fast verzweifelt. Alleine gleichzeitig 3 Kinder komplett anzukleiden, damit sie vom Draußenspielen im Schnee nicht klatschnass wieder zurück ins Haus kommen, ist schwieriger als… welchen Beruf übst du nochmal aus? Ziehe selbst einen Vergleich.

Die totale Unterschätzung des Zuhauseseins

Ich hatte gedacht, dass es entspannt sein würde zukünftig zwei Tage zu Hause zu sein. Das ist es auch, aber auf eine andere Art und Weise als erwartet. Ich kann meinen Tagesablauf sehr viel selbstbestimmter gestalten, auch wenn ich Termine einzuhalten habe und Pflichten erfüllen muss. Aber ich kann das meiste bei Bedarf nackt, im ungebügelten Batman-Jumpsuit oder in Jogginghose absolvieren. Wenn mir alles zuviel wird, leg ich mich zehn Minuten auf die Couch und mach die Augen zu während sich der Rest mit Petterson und Findus vergnügt. (Tipp: Für den Fall, dass die Augen eine noch längere Auszeit beanspruchen, vorsichtshalber schon mal zwei weitere Folgen in die Playlist packen.)

Aber körperlich sowie nervlich geht so ein Alltag natürlich nicht spurlos an einem vorüber. Das ist in jedem Fall anstrengend und oft spürt man erst abends, was man tagsüber eigentlich geleistet hat. (Noch ein Tipp: Wenn du ein erfolgreicher Blogger werden willst, setzt du dich jetzt noch hin und schreibst bis Mitternacht Beiträge, pflegst deine sozialen Kanäle/Kontakte und optimierst deine Seite. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Hut ab vor denen, die hierzu noch die Power und das Durchhaltevermögen haben. Ehrgeiz, der mir leider viel zu oft abhanden kommt.)

Direkter Vergleich

Ich habe also den direkten Vergleich. Berufsalltag vs. Zuhausealltag. Beides hat seine Vorzüge, beides kann aber auch anstrengend sein. Sonderbar, wenn dem nicht so wäre. Worauf ich aber eigentlich hinaus will ist, dass ich (jetzt) die Verwunderung und den Ärger darüber verstehe, warum das eine wertgeschätzt und honoriert/bezahlt, das andere übersehen oder als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen könnten hier für Entlastung und Wertschätzung sorgen.

Und eins sei abschließend noch gesagt: Ich liebe meine Kinder über alles. Geld kann das was ich tagtäglich an Liebe und Vertrauen von ihnen zurückbekomme nicht aufwiegen. Aber dafür dass wir drei tatkräftige Steuerzahler heranziehen, von denen K1 den Mars besiedeln, K2 das globale Müllproblem beseitigen und K3 uns endlich den Weltfrieden bringen wird, halte ich ein zusätzliches Zuhausegehalt durchaus für gerechtfertigt. ;-)

Minimalismus kein Trend! Verzicht wird überlebensnotwendig!

Ich finde es einigermaßen unerträglich, dass der Minimalismus, auch seitens der Medien, viel zu häufig noch als Trend aufgegriffen und der als Minimalist in Erscheinung tretende Protagonist in seinen Bestrebungen, Ideen und Ansichten eher belächelt als bejubelt wird. Dabei geht es längst nicht mehr nur darum möglichst wenig Musik-CDs, DVDs, Bücher, Klamotten oder sonst was zu haben. Viel mehr geht es um Ursache und Wirkung. Darum, durch Verzicht an den Stellschrauben des großen Gerechtigkeitsdefizits dieses Planeten zu drehen und das Ungleichgewicht ein wenig mehr in Waage zu bringen.

Schon lange brennt mir dieser Artikel auf der Seele, aber mir fehlte bislang der Mut zu einer deutlichen Stellungnahme. Kürzlich las ich jedoch ein Buch, dass mich zu gleichen Anteilen begeistert, aber auch schockiert hat. Dies nehme ich jetzt zum Anlass diesen Artikel voranzutreiben. Zu besagter Lektüre später mehr.

Der Minimalismus Trend erringt durch Verzicht eine neue Notwendigkeit

In Zeiten von Anschlägen, Flüchtlingsströmen, Klimakatastrophen und vieler anderer schlimmer Ereignisse sind wir voll von Beschwerde und Entsetzen über eben genau diese Dinge, ohne uns bewusst zu machen, dass eigentlich der Nichtverzicht unserer überreichen Gesellschaft hierfür die Verantwortung zu tragen hat. Im folgenden starte ich den Versuch, möglichst vereinfacht, zwei beispielhafte Zusammenhänge aufzuschlüsseln.

Fall 1

Unsere Smartphones beinhalten wertvolle und seltene Komponenten, die überwiegend im afrikanischen Kongo beschafft werden. Kobalt und Coltan sind bspw. wichtige Bestandteile unserer hochmodernen Handys. Von Kinderhänden in primitiven Minen mit bloßen Händen ausgegraben, wird der Rohstoff später an chinesische Produktionsfirmen geliefert. Die Erträge der Minen dienen den afrikanischen Warlords zur Finanzierung der Folgekonflikte des Bürgerkriegs. Kämpfe um Minen bestimmen den Alltag in den Abbaugebieten. Mehr dazu findest du u.a. hier…

Menschen flüchten aus Kriegsgebieten, wenn sie können. Und sie flüchten dahin, wo sie keinen Krieg vermuten, wenn sie können. Und manche schaffen es bis zu uns, also in die Länder, die maßgeblich daran beteiligt sind, dass diese Flüchtlinge keine Heimat mehr haben. Verzicht kann das beeinflussen. Muss es wirklich im zwei-Jahres-Takt das beste und hochentwickelste Highend-Smartphone im 4-stelligen Kostenbereich sein? Um dann was damit zu tun? Whatsappen? Facebooken? Bilder knipsen? Twittern? Ach ja, Telefonieren? Dieser Nichtverzicht führt zu Flüchtenden und finanziert Kriegsgebiete.

Fall 2

Öl und Erdgas sorgen seit Jahrzehnten für Krisenherde und Kriegsschauplätze – insbesondere im Nahen Osten. Auch der Syrienkrieg ist primär ein Rohstoffkrieg. Wer den Medien hier nach wie vor religiöse Beweggründe abnimmt, der recherchiert bitte folgenden Artikel in der Wirtschaftswoche! Und trotzdem wir täglich mit den brutalen Ereignissen – tausende Kilometer entfernt – konfrontiert werden, konsumieren wir weiterhin Plastiktüten und andere Kunststoffe wo es nur geht, fahren viele unnötige(!) Kilometer Auto und erdreisten uns sogar zu unserem puren Vergnügen in den Urlaub zu fliegen.

Jährlich verkraftet unser Planet über 30 Millionen Flüge. Das bedeutet den Verbrauch von über 1 Milliarde Liter Kerosin. Auf einem Flug von London nach Sydney werden pro Person 5 Tonnen CO2 ausgestoßen. (Mehr Zahlen und Fakten auf Wireless Life). Der Wohlstand und der Luxus den wir uns erdreisten ist, sicherlich nicht ausschließlich, aber mitverantwortlich für so manchen Kriegsschauplatz und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme. Verzicht kann zur Regulierung dieser Umstände beitragen. Warum in 2017 nicht mal ins schöne Bayern fahren, oder die Ostseeküste besuchen? Die Alpen zu Fuß überqueren oder Teile des Nordseeküstenradwegs erkunden? Auch das Bereisen angrenzender Länder per PKW hinterlässt einen deutlich besseren ökologischen Fußabdruck als der Flug in die DomRep oder nach Malle.

Es gibt sicher noch viele weitere Kausalketten. Die Überproduktion von Billigfleisch aus Massentierhaltung und dessen Vertrieb in die Entwicklungsländer bspw. Schreibt mir gerne weitere Kausalketten in die Kommentare oder verlinkt eure eigenen Blogbeiträge.

Trend Minimalismus – Was tun?

Zunächst einmal benötigen wir Weitsicht. Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umschaue, dann habe ich den Eindruck, dass sich die wenigstens Gedanken um diese Themen machen, wofür ich durchaus auch Verständnis habe. Die Erkenntnis darüber, selbst Mitverursacher zu sein lähmt und kann schnell zu einer handlungsunfähigen Ohnmacht führen. Es ist belastend sich mit globalen Konfliktsituationen auseinanderzusetzen, weil man sie auf Anhieb nicht lösen können wird. Oft frage ich mich, ob die Leute wirklich nicht informiert sind, oder ob sie einfach nicht informiert sein wollen. Aus Angst die eigene Komfortzone zu sehr einschränken oder verlassen zu müssen.

Aber vielleicht ist genau diese Angst unbegründet. Wir brauchen Erfinder, die Produkte kreieren, die Verzicht gepaart mit gleichbleibendem Wohlstand, dann aber für alle(!), ermöglichen. Für mich ist das Tiny Living-Prinzip dbzgl. immer wieder ein Vorzeigebeispiel. Eingeschränktes aber dennoch komfortables Wohnen ist für einen Bruchteil dessen möglich, wie es jeder von uns heutzutage betreibt.

Darüber hinaus glaube ich, dass wir informiert sein müssen. Lieber abends mal die Flimmerkiste auslassen, sich nicht berieseln und stattdessen Hintergrundinformationen (siehe die Links aus den Kausalketten) recherchieren. Dinge verstehen, Zusammenhänge analysieren, nicht alles Vorgekaute übernehmen und glauben. Und wenn wir neue Erkenntnisse gewonnen haben, sollten wir sie im Freundes- und Verwandtenkreis teilen und diskutieren. Hier können wertvolle Ideen zu Projekten entstehen, die die Welt ein Stück weit verändern können.

Beweisführung anhand des Fußabdrucks

Hier das Ergebnis meines ökologischen Fußabdrucks. Gerade durchgeführt bei footprint-deutschland.de. “Dein ökologischer Fußabdruck ist 5.39 Hektar. Ein fairer Fußabdruck soll aber nur 1.8 Hektar groß sein. Denn wenn alle deinen Lebensstil haben, benötigen wir 2.99 Erden.” Mir ist aber bewusst, dass wir nur diesen einen Planeten haben. Und ich kann nur schlecht mit Strategien wie ‘Nach mir die Sintflut’ leben. Denn ich habe Kinder, die auch nach dem Jahr 2052 (dem prognostiziertem Ende der irdischen Ölvorkommen) noch Freude am Leben auf diesem Planeten haben sollen. An dieser Stelle möchte ich das ‘überlebensnotwendig’ aus der Headline aufgreifen, denn hier wird deutlich, dass ich mehr reduzieren, noch minimalistischer werden und weiterhin an meinem Verzicht arbeiten muss, um meinen Fußabdruck zu verkleinern.

Ein weiterer Lösungsansatz: Das bedingungslose Grundeinkommen

Wie schon erwähnt: Wir brauchen Ideen und Lösungen. Dazu sind Menschen erforderlich, die sich diese Ideen und Lösungen ausdenken. Aber die meisten Menschen, die dieses Potential mitbringen, sind bereits in ihren ganz persönlichen Kontexten überlastet und haben nicht den Raum ihre Kreativität zu entfalten. Hier kann das bedingungslose Grundeinkommen für Entlastung sorgen und unbedingt benötigte Ressourcen freischaufeln.

Konsequenzen für mein Christsein

Als Christ darf ich wissen, dass wir in einer gefallenen Welt leben. Jesus hat versprochen, dass er wiederkommen und nicht nur uns, sondern die gesamte Schöpfung erlösen wird. Das schenkt mir Hoffnung und Zuversicht, gibt mir aber meiner Meinung nach nicht das Recht, die Hände in den Schoß zu legen und das Ende abzuwarten. Wir tragen dennoch Verantwortung. Als Christen sollten wir uns einmal mehr bewusst machen, dass wir unser Vergnügen auf Kosten anderer Ausleben.

Mein Pizza-Mann

…gönnt sich in der Winterpause einen stolzen Urlaub. Flug nach DomRep mit anschließender Kreuzfahrt durch die Karibik. Das ist so mit das ignoranteste und menschenunwürdigste was man heutzutage tun kann. Aber ich glaube, er ist sich dessen einfach nicht bewusst und es tut mir leid, aber ich weiß nicht, wie ich ihm das anders näherbringen kann, als ihn bei der Finanzierung dieser Urlaube zukünftig nicht mehr zu unterstützen. Der Flug alleine… Dann die Kreuzfahrt… Kreuzfahrtschiffe mit tausenden von Passagieren produzieren Unmengen an Müll, die weder verbrannt, noch getrennt, sondern einfach mit einer riesigen, an Board befindlichen Müllpresse ins Meer gedrückt werden. Dann die Dominikanische Republik. Eine Insel, zwei Welten. Sterbende Kinder und feudales Strandleben liegen nur wenige Kilometer auseinander.

Die erwähnte Lektüre

Während des Schreibens habe ich mir überlegt, dass ich sie vorerst nicht nenne, sondern demjenigen der errät welches Stück Unterhaltungsliteratur diesen Artikel mit inspiriert hat, einen Buch7-Gutschein schenke. Die Auflösung folgt dann in ein paar Tagen.

Fazit zum Minimalismus Trend

Ich wollte mir immer mal Kanada oder auch Alaska anschauen. Aber als ich vor ein paar Jahren verstanden habe, dass ein Flug dahin eine kleine ökologische Katastrophe zur Folge hat, habe ich diesen Traum verschoben. Ja! Nicht gestrichen, verschoben. Es geht nicht darum Spaß und Vergnügen vollends zu streichen. Es geht darum Lösungen oder Alternativen zu finden, die dieses Vergnügen wieder ermöglichen ohne dadurch an anderer Stelle diesen imensen Schaden auszulösen. Es gibt zahlreiche Beispiele für nahezu emissionsfreies Umdieweltreisen. Verzicht ist also gar nicht mal unbedingt immer der einzige Ausweg. Aber es ist eine einfache und konsequente Entscheidung. Bin ich nicht bereit zu verzichten, ist es wichtig die richtigen Alternativen zu finden und anzuwenden.

Faktoren für die Bewertung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Zunehmend stoße ich im Netz auf Artikel zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bspw. bei Johnny, mamadenkt oder auch in der Zeit. Ausführungen und (vor allem!) Kommentare hinterlassen bei mir den Eindruck, dass hierüber sehr pauschalisierend geschrieben, gedacht und geurteilt wird. Ich denke aber, dass keine familiäre Situation der anderen gleicht, dass jedes System individuell ist und in seinem ganz eigenen Kontext Mittel und Wege finden muss, um gesund funktionieren zu können. Seit einiger Zeit denke ich über verschiedene Faktoren nach, die für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kennzeichnend sein könnten. Nachfolgend der Versuch, diese aufzuschlüsseln.

(Hinweis: U.U. sind die Faktoren total irrelevant, nicht vollständig oder was immer. Vielleicht nähere ich mich dem Thema auch von einer völlig falschen Seite. Umso mehr freu ich mich auf eure Reaktionen)

Faktor 1: Der Arbeitgeber
Ich weiß mich glücklicherweise in einem Beschäftigungsverhältnis, dass viel Flexibilität ermöglicht, das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Blick hat und im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten gesund fördert. Trotzdem gilt hier nicht entweder-oder. Es gibt Arbeitgeber die räumen den Angestellten alle erdenklichen Möglichkeiten ein und unterstützen zu 100%. Andere Arbeitgeber zeigen überhaupt kein Verständnis. Unterstützung hier also: 0%. Was ist mit Arbeitgebern, die gerne würden aber nicht können? Was ist mit Berufen in denen keine oder kaum Unterstützung möglich ist? Viele Arbeitgeber würden gerne 100% geben, können aber nur für 40, 60 oder 70% Zugeständnisse in Sachen qualitativer Familienzeit einräumen…

Faktor 2: Die familiäre Situation
Dieser Punkt kann in diverse Unterfaktoren gegliedert werden. Wahrscheinlich sind hier am ehesten messbare Werte zu finden. Wie viele Kinder gehören zur Familie? Wie alt sind die Kinder? Ist hier eher Entertainment oder logistisch-organisatorisches Zusammenleben erforderlich? Ist die Familie komplett/beide Elternteile noch da oder müssen darüber hinaus getrennte Haushalte berücksichtigt werden? Unsere Situation mit drei Kindern (Schule, Kiga, zu Hause) ist nicht unbedingt komplexer, aber dennoch ganz anders zu beurteilen, als die eines alleinerziehenden Elternteils mit 5 Kindern und pflegebedürftiger Oma im Gästezimmer oder einer dreiköpfigen Familie in der nur der Papa/nur die Mama arbeiten geht und zu deren Haushalt darüber hinaus noch ein hochaktives, frisch verrentnertes Oma-Opa-Pärchen gehört.

Faktor 3: Prägung und Werte des familiären Systems
Aus welchen Kontexten ist die Familie zusammengesetzt? Wie haben die Eltern der Eltern Vereinbarkeit gelebt? Inwiefern wurden Werte auf die Kinder übertragen? Ist bei beiden Elternteilen überhaupt Bedarf an einem Mehr an Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorhanden? Muss es so sein, dass der Vater der Hauptverdiener ist oder wäre es auch andersherum denkbar?

Faktor 4: Netzwerk
Je nachdem wie das Thema Vereinbarkeit angedacht wird, kann auch das Netzwerk, bestehend aus Familie, Freunden und Nachbarn, einen tragenden Faktor darstellen. Wird Vereinbarkeit von Familie und Beruf primär als Entlastung für die Familie behandelt, kann die Zeit die der Berufstätige mit der Familie verbringt qualitativ ganz anders gefüllt sein, wenn ein unterstützendes Netzwerk die Familie in den Zeiten trägt, in denen der Berufstätige (noch) nicht da ist.

Faktor 5: Ortsbedingte Gegebenheiten
Ich würde vermuten, dass in Ballungszentren sehr viel eher die Möglichkeit gegeben ist, einen Stellenwechsel zu erzwingen. Bspw. dann, wenn ein alternativer Arbeitgeber gefunden werden muss, der Vereinbarkeit besser unterstützt, als der gegenwärtige. Aber auch messbare Faktoren spielen hier eine Rolle: Wie weit sind/Wie lange dauern die Wege zur Arbeit und nach Hause? Habe ich einen Arbeitgeber, der mir aus Gründen der Vereinbarkeit bei wenig Wochenstunden ein verhältnismäßig hohes Gehalt anbieten kann, muss dafür aber Anfahrtswege von mehr als zwei Stunden in Kauf nehmen, bleibt für gelebte Vereinbarkeit zu wenig Zeit. Betreibt der Vater eine Schreinerei direkt neben dem Wohnhaus ist zwar eine direkte Nähe zur Familie gewährleistet, deren Wert aber sehr gering ausfällt, wenn der Betrieb mit über 70-Wochenarbeitsstunden am Leben gehalten werden muss. Wie nahe ist das Netzwerk? Großeltern 200 km weit entfernt oder im nächsten Haus/Dorf?

Faktor 6: Sonstige Voraussetzungen
Bleibt mir, aus welchen Gründen auch immer, nichts anderes übrig als zwischen Schichtdienst im Fastfood-Imbis, dem gelegentlichen Putzen diverser Gewerberäumlichkeiten oder dem unregelmäßigen Erteilen von Nachhilfeunterrichtsstunden zu jonglieren, kommt das Thema Vereinbarkeit vermutlich gar nicht erst auf den Tisch. Falls aber doch, bestehen kaum Möglichkeiten mit Arbeitgebern Kompromisse zu finden, da man aufgrund evtl. finanzieller Nöte froh ist, überhaupt Einnahmequellen zu haben. Kündigungen, Arbeitgeberwechsel oder die Arbeit vollständig an den Nagel zu hängen, sind eher schlechte Kompromisse.

Fazit
Ich muss ehrlich zugeben, dass es mir sehr schwer fällt, dieses Thema zu fassen und hier eindeutig Stellung zu beziehen. Wie wurde das Thema behandelt, als ich noch Kind war? Mein Pa ging arbeiten, meine Ma hat uns Kinder, den Haushalt später außerdem Oma und Opa und danach ihren Wiederberufseinstieg organisiert. Und soweit ich mich erinnern kann, war das eine allgemeingültige Situation unter 90% meiner Klassenkameraden. Von Vereinbarkeit hat da niemand gesprochen. Zumindest ich als Kind, habe das nicht als negativ empfunden. Auch wüsste ich nicht, dass mein Vater gesundheitliche Konsequenzen aus dieser Zeit in Kauf nehmen musste oder dass meine Mutter gerne eine andere Rolle gelebt hätte. Ich liebe, wertschätze und empfinde sehr viel Dankbarkeit gegenüber meiner Eltern und dem, was sie für uns Kinder geleistet haben. Ich würde mich nie erdreisten meinem Vater zu unterstellen, dass er gefälligst noch mehr Zeit mit mir hätte verbringen müssen. Schließlich ist er nicht seiner Freizeit nachgegangen, sondern hat sich um die Versorgung der Familie gekümmert. Ob er sich dabei selbstverwirklichen konnte oder besonders viel Spaß und Befriedigung in seinem Job gefunden hat, würde ich nicht unbedingt bestätigen. Es war eher neutral. Das, was getan werden musste.

Vorschlag
Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass eine Pauschalisierung des Themas Vereinbarkeit nicht möglich ist. Auch wehre ich mich dagegen, dass es tolle Vorzeigeeltern geben soll, die das ganze eben gut hinbekommen und solche Eltern, die gefälligst mal den *rsch hochkriegen, sich nicht mit Ausreden schmücken und an ihrer Situation schleunigst etwas verändern sollten. Oft sind es die äußerden Rahmenbedingungen, die Vereinbarkeit ermöglichen oder nicht. Der eigene Wille hin zu gelebter Vereinbarkeit mag allerdings ein entscheidendes Zugpferd sein, geb ich zu.

Was man bräuchte, wäre ein Informationsportal, in dem Arbeitgeber und Familien von Modellen und Methoden berichten, die bei ihnen gut funktionieren. Hier müsste ein Stöbern nach beispielhaften Situationen möglich sein, die sich Deckungsgleich zum eigenen Alltag gestalten und die Denkanstöße und Ideen liefern, das eigene Konzept dahingehend zu verändern/zu verbessern. Nach dem Motto: “Wir sind zu fünft, wir haben ein Haus, wir machen es so.” Oder: “Ich bin alleinerziehend, habe zwei Kinder, ich mache es so.” Oder: “Um das Thema Vereinbarkeit unter unseren Angestellten zu ermöglichen, haben wir das, das und das initiiert.”

Soweit ein paar Gedanken. Was denkt ihr? ;-)

Nachwuchs für die Minimalisten-Szene – Minimalismus-Interview zwecks Facharbeit

Während die Top-Minimalisten von Huffington Post und anderen großen Institutionen heimgesucht werden, erhalte ich eine Mail von Chiara, Gesine, Luise und Henriette ;-) Ehrlich gesagt liegt diese Interviewanfrage für eine Seminarfacharbeit der Mädels schon ein paar Monate zurück, aber ich wollte das Fragen-Antworten-Spiel hier unbedingt mal zur Schau stellen. Nichtzuletzt weil ich die Fragen als sehr gut gewählt empfunden habe, auch weil ich für mich das Thema Minimalismus nochmal reflektieren konnte.

Los gehts:

Frage 0: Möchtest du anonym bleiben oder dürfen wir deinen Namen in der Arbeit nennen?
Da bin ich flexibel. Wie es besser in das Konzept eurer Arbeit passt.

Frage 1: Was gehört für dich zum Minimalismus dazu? Was macht dich persönlich zum Minimalisten? Verfolgst du damit ein bestimmtes Ziel?
Minimalismus bedeutet für mich primär ein konsumkritisches Denken und Handeln. Hierzu gehört für mich das Hinterfragen, ob ich eine bestimmte Sache – nehmen wir bspw. einen Rasenmäher – wirklich neu kaufen muss, oder ob zuvor die Möglichkeit besteht,

  • einen alten Rasenmäher zu reparieren,
  • beim Nachbarn (gerne auch gegen Gebühr) einen auszuleihen,
  • einen benachbarten Schüler zu fragen, ob er (gegen Gebühr oder Pizzaeinladung) meinen Rasen mähen würde,
  • oder ob ich gebraucht einen bekommen kann.

Der Minimalismus hat mir ein Tor zu anderen Themen geöffnet. Das sind bspw. Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, usw. – Themen, die mich immer mal wieder beschäftigen. Ein Ziel verfolge ich nicht direkt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir gut tut über weniger nicht genutzten Besitz zu verfügen. Jedes Teil dass ich abschaffen konnte, hat zu einem befreiteren Aufatmen geführt. Geringere Kosten, weniger administrativer Aufräumaufwand, usw.

Minimalismus beinhaltet für mich aber nicht nur das Reduzieren von Dingen, sondern auch das Abgewöhnen überflüssiger Verhaltensmuster. (Bspw. Plastiktüten an der Kasse kaufen, ohne drüber nachzudenken. Stattdessen Papiertüten kaufen oder besser noch: Eigenen Beutel/Karton/Kiste mitbringen.)

Minimalismus bedeutet auch: Verzicht auf Überfluss. Das beinhaltet für mich das Ziel, mich mit den vielen Menschen weltweit ein wenig mehr zu verbinden, die überhaupt nie die Möglichkeit bekommen werden im Überfluss zu leben.

Frage 2: Wann bist du zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung gekommen? Ab welchem Zeitpunkt hast du bewusst minimalistisch gelebt (also wusstest du für dich: Ich bin Minimalist)? War es bis dahin eher ein schleichender Prozess oder eher eine einschneidende/ radikale Entscheidung?
Wir waren mit ein paar Leuten in der Wohnung einer Freundin zu Besuch. Sie hat einen sehr reduzierten Lebensstil gelebt. Ich denke mich hat der Überblick beeindruckt, den sie über ihre Dinge hatte. Das wollte ich so für mich auch haben und dann habe ich begonnen, Sachen abzuschaffen. Seitdem ist es ein fortwährender Prozess. Kein Trend, den man irgendwann wieder vernachlässigt oder durch einen anderen Trend ablöst, sondern ein Umdenkprozess.

Frage 3: Wie hast du vorher gelebt? Hast zu exzessiv/viel oder eher schon bewusst/wenig konsumiert? War die Umstellung schwer oder leicht zu meistern?
Ich war bis kurz vor diesem Zeitpunkt noch Student. Also jemand mit relativ geringen finanziellen Möglichkeiten. Einen außergewöhnlich exzessiven Lebensstil hätte ich mir nicht leisten können. Aber es war ein unbewusster Lebensstil. Heute betrachte ich viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel/von einem erweiterten Horizont aus/reflektierter. Die Umstellung war sehr einfach. Ich habe viel verkauft und mich über die Einnahmen gefreut. Ich habe viel verschenkt und mich mit den Beschenkten gefreut. ;-)

Frage 4: Wie hat dein Umfeld auf deinen Lebenswandel reagiert? Gab es Momente, in denen du auf Unverständnis gestoßen bist?
Man hat es belächelt. Damals (vor ca. 7 Jahren) war der Begriff Minimalismus noch nicht so präsent wie heute. Mittlerweile ist er durch die Medien sehr breit getreten worden, was ich durchaus als positiv empfinde. Eltern sowie Schwiegeltern haben in der Anfangszeitunseres exzessiven Reduzierwahns gefragt, ob sie ihre eigenen Stühle mitbringen müssen, wenn sie zu Besuch kommen. Eine nicht ganz unberechtigte Sorge…

Frage 5: Hat sich im Laufe der Zeit deine Einstellung zum oder deine Auffassung von Minimalismus geändert?
Ja. Minimalismus ist nicht alles. Es gibt sehr viele Themen, die mindestens genauso, wenn nicht sogar noch wichtiger sind. Minimalismus ist eine Idee, eine andere Denke. Das passt nicht zu jedem und es sollte auch nicht jeder Minimalist sein. Es ist auch toll zu Leuten gehen zu können, die alles sammeln und horten. Dort kann man sich Sachen borgen, Material erfragen, Werkzeuge ausleihen, usw. So etwas muss es also irgendwie auch geben. Minimalismus ist darüber hinaus für Singles sehr leicht umzusetzen. Für uns als 5-köpfige Familie, ist es nach wie vor ein Experiment, das von meiner Frau und mir gelebt wird, das wir aber bewusst nicht versuchen unseren Kindern überzustülpen.

Frage 6: Im Vergleich zu deinem Lebensstil vor dem Minimalismus: Bist du zufriedener geworden? Kannst du dafür einen bestimmten Grund nennen?
Hinsichtlich meines Konsumverhaltens bin ich jetzt sehr viel zufriedener mit mir. Dieser Umdenkprozess hat meine Prioritäten etwas verrückt. Das ist sicherlich ein Grund. Diese neuen Prioritäten haben zu spannenden Entscheidungen geführt, die den Alltag schon oft ereignisreicher gestaltet haben.

Frage 7: Was nützt dir der Minimalismus im Alltag? Kannst du konkrete Vorteile aus deinem Lebensstil ziehen?
Ich spare Geld. Ich habe mehr Platz. Ich kaufe nicht immer gleich drauf los, sondern denke über Alternativen nach, was sicherlich förderlich für meine Kreativität ist.

Frage 8: Könntest du dir vorstellen nicht mehr minimalistisch zu leben? Hast du es in Zukunft vor?
Nein. Wie schon gesagt: Ich betrachte das ganze als Umdenkprozess. Dieser hat bei mir stattgefunden und ist fest verankert.

Frage 9: Glaubst du, dass Minimalismus für jeden Menschen adaptierbar ist? Braucht man bestimmte Voraussetzungen? Was hältst du von “Mode- Minimalisten” (die sozusagen um des Trends willen auf den Zug aufspringen)?
Oh, der Frage hatte ich oben schon ein wenig vorweggegriffen. Theoretisch könnte jeder Minimalist sein. Ob das gut ist und funktionieren würde ist allerdings eine andere Frage. Ich habe im Zuge des Minimalismus ausschließlich Dinge getan, die gut für mich waren. Ich hätte bspw. nie meine Gitarre verkauft, ich könnte nur schlecht auf Smartphone oder Notebook verzichten und ich liebe mein Mountainbike. Man muss sich in seinem Umfeld wohlfühlen. Würde es jemandem mental schlecht damit gehen Dinge zu reduzieren, sollte er es unbedingt sein lassen.

Minimalismus ist für mich kein Trend. Aber auch das ist sicher personenbezogen. Wer es als Trend sieht und gerne mal ausprobieren möchte… Warum nicht?

Frage 10: Was hältst du von Gütergemeinschaften? Gehören diese für dich zum Minimalismus? Wäre das etwas für dich?
Ja. Das Konzept des Teilens ist für mich gelebter Minimalismus. Wir leben in einer sehr dörflichen Gegend. Hier hat jeder einen Rasenmäher, mindestens zwei Autos, in jedem Haushalt mit Kindern steht ein Trampolin im Garten, usw. Das könnte man sehr viel sinnvoller, gemeinschaftsfördernder und sparsamer gestalten.

Frage 11: Wie, glaubst du, wird sich Minimalismus weiterentwickeln? Was würdest du dir wünschen?
Die Szene der Minimalisten wächst zwar ständig, aber in der westlichen, vom Wirtschaftswachstum geprägten Konsumgesellschaft hat sie bislang denke ich nur eine kleine Stimme. Aber sie verschafft sich mehr und mehr Gehör, nicht zuletzt durch die Medien. Wenn wir dadurch Impulse setzen und andere Menschen motiveren können bewusster, nachhaltiger, reduzierter zu leben, trägt das vielleicht dazu bei, das große Ungleichgewicht dieser Welt ein wenig mehr in Waage zu bringen.

Weniger ist mehr! Qualität und Quantität

weniger ist mehr

Beim Reduzieren verfolge ich oft das Ziel auf Quantität zu verzichten. Gleichzeitig lege ich aber auch sehr viel Wert auf Qualität. Ist dieses ‘Weniger ist Mehr’ miteinander vereinbar?

Smartphones sind ein tolles Beispiel. Ein einziges Gerät ist in der Lage ein gewöhnliches Handy, eine kleine Kamera, den MP3-Player, das Navi fürs Auto, das GPS-Gerät zum GEOcachen, die Wasserwaage und andere Dinge zu ersetzen. Beim heutigen Fortschritt muss hierbei sogar kaum auf Qualität verzichtet werden.

Weniger ist mehr hat beim Fernsehen …

…allerdings nur bedingt funktioniert. Zwar sind große Geräte wie das Fernsehgerät selbst, DVD-Player und SAT-Receiver verschwunden, auch die Fernbedienungen und sämtliche Kabel sind weg. Geblieben ist ein kleines, platzsparendes Notebook, das alle Aufgaben zuverlässig übernehmen kann und zudem auch weniger Strom frisst. Die Quantität wurde hierbei entscheidend reduziert ohne auf das Fernsehen an sich verzichten zu müssen. Über die gebliebene Qualität lässt sich jetzt natürlich streiten. Für mich bzw. uns als Familie ist Fernsehen an Notebook oder Tablet-PC absolut zufriedenstellend und ausreichend. Natürlich fehlt ein 60-Zoll-Curved-Bildschirm-Wow-Erlebnis beim Samstag-Abend-Daheim-Kino. Auch Leute einladen um gemeinsam das Finale der nächsten Fußball-WM zu zelebrieren wird eher nicht funktionieren. Aber hierfür gibt es Public Viewings und wenn Freunde zu Besuch kommen, bleibt der Fernseher gerne auch mal aus.

Weniger ist mehr im Bücherregal

Bei Büchern, Filmen und Musik geht mir der Verzicht auf Quantität auch relativ leicht von der Hand. Im Regal bleibt einfach das stehen, was gut ist. Der Rest wird verliehen, verkauft oder verschenkt. Im Zeitalter diverser Streaminganbieter wie Netflix, amazon Prime, Sky Ticket, usw. lassen sich Filme und Serien wunderbar digital konsumieren, auch wenn bei so manchem Lieblingsfilm eine Special Edition im Regal ganz gut tun würde. Dennoch dient sie i.d.R. nur optischen Ansprüchen. Wann oder wie oft holt man einen Film ein drittes oder viertes Mal hervor, nur um ihn nochmal inkl. allem verfügbarem Bonusmaterial zu schauen?

Autos, Hobbies, usw.

Aber wie verhält es sich bspw. mit der Anschaffung von Autos? Abhängig von den Infrastrukturen vor Ort ist es gar nicht möglich mit nur einem geschweige denn gar keinem Auto auszukommen. Was ist, wenn ich eine Sportart zu meinen Hobbys zähle, die ein hochwertiges und umfangreiches Equipment voraussetzt? Oder Musik – reicht einem Musiker ein einziges Instrument und darf das vom Discounter sein?

Weniger ist mehr: Kein Fazit

Dieser Artikel hatte nicht das Ziel zu einem Fazit zu gelangen. Und dennoch habe ich das Gefühl, dass das Weniger ist mehr-Prinzip in fast 100% der anwendbaren Fälle zutreffend ist. Weniger Besitz führt zu einem Mehr an Raum, der nicht nur physisch sondern bspw. auch in Form zeitlicher Freiräume gewonnen wird. Weniger Arbeit kann zu einem erfüllterem oder intensiverem Familienleben führen. Weniger Arbeit bedeutet auch ein Mehr an Zeit. Und Zeit wird zunehmend als eine wichtigere Währung gehandelt als unser liebes Geld. Weniger Stress führt zu mehr Gesundheit bzw. weniger psychosomatischer Krankheitserscheinungen. Weniger Umweltbelastung bedeutet mehr Lebensqualität für uns Menschen. Weniger Müll zu produzieren bedeutet ein Mehr bzw. Meer mit Fischen die ohne Mikroplastikteilchen Teil unserer Nahrungskette werden. Weniger Müll bedeutet also auch ein Mehr an Gesundheit für uns.

Die Liste kann endlos fortgesetzt werden. Wie denkt ihr über Qualität und Quantität wenn es ums Reduzieren geht? Was ist euer Antrieb, eure Strategie beim minimalistisch Leben?