Reduziert leben – mit Kindern???

Aufgeregte Mütter schieben sich durch den Drogeriemarkt. Auf dem Kinderwagen türmen sich Biosäfte, Dinkelstangen, Gemüsebrei-Gläschen, ein neues Mützchen (sooo süß), Öko-Premium-Windeln, Pflegebad „Prinzessin“, Bio-Stilltee und Massageöl für die Mama usw. Szenenwechsel. Die Kinderboutique gleicht einem Spielzimmer. Man trifft sich, fachsimpelt über Lauflernschuhe und Biobaumwolle, probiert zwischendurch mal ein neues Jäckchen an (auch sooo süß), die Kinder streiten sich währenddessen um das boutiqueeigene Schaukelpferd. Kinder sind Lifestyle…

Was braucht so ein Kleinkind? Irgendwie nicht viel.

Essen + Trinken: Sobald wie möglich, darf mein Kind das essen, was „die Großen“ essen. Das spart Zeit und Geld. Und das „Habenwollen“ vom Teller der Erwachsenen. Zu ungesund für das Kleine? Dann muss ich vielleicht meine Ernährung etwas anpassen, schadet ja nicht.
Und Trinken? Muss mein Kind das gesamte Nuk-Flaschen-System kennenlernen? Vielleicht kann ich auch die Abkürzung nehmen, von der Brust über den Trinklernbecher zum normalen Trinkbecher. Aber da fehlt mir noch die Praxis.
Babypflege: Auch hier wieder ein unüberschaubares Angebot… Bewährt hat sich einfaches Olivenöl. Für den Popo und auch als Badezusatz. Und wenn es eine Pflegecreme sein soll: Die kann ich gut auch selber benutzen, etwas hochwertigeres als Babypflegeprodukte lässt sich schwer finden – und auf jeden Fall günstiger als sündhaft Teures von Douglas.
Spielzeug: Die Welt entdecken – sowohl drinnen als auch draußen – das ist soooo viel interessanter als teures, pädagogisch hochwertiges Spielzeug. Plastikdosen, Nüsse, alte Zeitungen, eine Plastikflasche mit Perlen gefüllt, bunte Tücher… Und wenn es dann doch mal „richtiges“ Spielzeug sein soll… wie wäre es mit „Spielzeug-Sharing“? Das Spielzeug zu tauschen bringt Abwechslung in das eigene Kinderzimmer und schont den Geldbeutel. Angenehmer Nebeneffekt: Das Kind lernt abzugeben und zu teilen.
Anziehsachen: Auch hier ist weniger mehr. Klar, die Sachen sind ständig schmutzig. Aber das dürfen sie doch auch sein! Lieber ein paar bequeme, robuste Sachen als ein Schrank voll Sonntagskleider – auch wenn sie noch so süüüß sind… Einem Kind ist es – zum Glück – noch sehr egal, wie es rumläuft (oder krabbelt). Und dann geht der Karton Kindersachen, die wieder einmal viel zu schnell zu klein geworden sind, direkt weiter an die Freundin. Kinderklamotten – das ist ein ständiges Geben und Nehmen.

Fazit: Vieles, was der Babymarkt bietet, ist reine Geldmacherei. Ich tue weniger meinem Kind etwas Gutes sondern eher etwas für das Wirtschaftswachstum.

Und sonst? Kinderspielzeug, das überall herumliegt, macht die reduziert eingerichtete Wohnung etwas wohnlicher. Aber: Es gibt hier nicht viele Schränke, die ausgeräumt werden können, keine Blumenerde, die das Kind isst, wenig, das kaputt gehen kann. Das ist sehr entspannend.

(Was mich etwas zum Nachdenken bringt: Oma und Opa leben nicht so reduziert. Und da gibt es sooo viel zu entdecken, zu gucken, auszuräumen. Da wird es meiner Tochter irgendwie nie langweilig…)

EDIT von Manuel:
Ich erhielt die Anfrage ob die Möglichkeit bestünde an dieser Stelle einen E-Book-Ratgeber für frisch gebackene Eltern zu verlinken. Da E-Books ‚weniger‘ sind als ‚echte Bücher‘ und somit auch umwelttechnisch wertvoll, gerne hier der Link: https://www.readup.de/on/babypflege. (Mir wurde versichert, dass das E-Book ohne Anmeldung oder ähnliche Hürden einfach im PDF-Format heruntergeladen werden kann, ohne weitere Verpflichtungen – was auch dauerhaft so bleiben soll.)

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