Facharbeit zum Thema Minimalismus

Im vergangenen Jahr wurde mein Blog von 4 Mädels gesichtet, die für eine Facharbeit zum Thema Minimalismus recherchierten. Die Fragen waren knallhart, gut durchdacht und zwangen mich über viele Dinge erneut nachzudenken und meine Prinzipien und Standpunkte ein weiteres Mal zu hinterfragen. Im Juli 2016 habe ich mit der Einverständnis von Henriette, Chiara, Gesine und Luise das Interview veröffentlicht.

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Mail von den Vieren, die die fertige Facharbeit enthielt. Ich schlug ihnen vor die Arbeit über epubli bereitzustellen und so ein wenig Honorar für die vielen investierten Stunden einzustreichen, doch hier ein Zitat aus ihrer letzten Mail:

„Wir haben uns dazu entschlossen, unsere Arbeit als kostenlosen pdf-Download zur Verfügung zu stellen und es wäre super, wenn du deinen Blog dafür hergeben würdest. Das Ziel unserer Arbeit war es ja, Menschen über den Minimalismus zu informieren und ihnen die Grundlage für eigene Entscheidungen zu bieten. Deswegen möchten wir auch so viele Leute wie möglich erreichen. (Wir überlegen auch, eine Art „Fortsetzung“, nämlich die mündliche Verteidigung unserer Arbeit, die wir letzte Woche angetreten haben, ebenfalls zu verschriftlichen…)“

Die Arbeit wirkt so professionell, dass sie eher an eine Diplom- bzw. Masterarbeit erinnert und es würde mich nicht wundern, wenn hier ein neues Standardwerk zum Thema Minimalismus geschaffen wurde. Aber macht euch einfach selbst ein Bild: Download der Seminarfacharbeit Minimalismus als PDF (ca. 500 KB).

 

Minimalismus kein Trend! Verzicht wird überlebensnotwendig!




Ich finde es einigermaßen unerträglich, dass der Minimalismus, auch seitens der Medien, viel zu häufig noch als Trend aufgegriffen und der als Minimalist in Erscheinung tretende Protagonist in seinen Bestrebungen, Ideen und Ansichten eher belächelt als bejubelt wird. Dabei geht es längst nicht mehr nur darum möglichst wenig Musik-CDs, DVDs, Bücher, Klamotten oder sonst was zu haben. Viel mehr geht es um Ursache und Wirkung. Darum, durch Verzicht an den Stellschrauben des großen Gerechtigkeitsdefizits dieses Planeten zu drehen und das Ungleichgewicht ein wenig mehr in Waage zu bringen.

Schon lange brennt mir dieser Artikel auf der Seele, aber mir fehlte bislang der Mut zu einer deutlichen Stellungnahme. Kürzlich las ich jedoch ein Buch, dass mich zu gleichen Anteilen begeistert, aber auch schockiert hat. Dies nehme ich jetzt zum Anlass diesen Artikel voranzutreiben. Zu besagter Lektüre später mehr.

Der Minimalismus Trend erringt durch Verzicht eine neue Notwendigkeit

In Zeiten von Anschlägen, Flüchtlingsströmen, Klimakatastrophen und vieler anderer schlimmer Ereignisse sind wir voll von Beschwerde und Entsetzen über eben genau diese Dinge, ohne uns bewusst zu machen, dass eigentlich der Nichtverzicht unserer überreichen Gesellschaft hierfür die Verantwortung zu tragen hat. Im folgenden starte ich den Versuch, möglichst vereinfacht, zwei beispielhafte Zusammenhänge aufzuschlüsseln.

Fall 1

Unsere Smartphones beinhalten wertvolle und seltene Komponenten, die überwiegend im afrikanischen Kongo beschafft werden. Kobalt und Coltan sind bspw. wichtige Bestandteile unserer hochmodernen Handys. Von Kinderhänden in primitiven Minen mit bloßen Händen ausgegraben, wird der Rohstoff später an chinesische Produktionsfirmen geliefert. Die Erträge der Minen dienen den afrikanischen Warlords zur Finanzierung der Folgekonflikte des Bürgerkriegs. Kämpfe um Minen bestimmen den Alltag in den Abbaugebieten. Mehr dazu findest du u.a. hier…

Menschen flüchten aus Kriegsgebieten, wenn sie können. Und sie flüchten dahin, wo sie keinen Krieg vermuten, wenn sie können. Und manche schaffen es bis zu uns, also in die Länder, die maßgeblich daran beteiligt sind, dass diese Flüchtlinge keine Heimat mehr haben. Verzicht kann das beeinflussen. Muss es wirklich im zwei-Jahres-Takt das beste und hochentwickelste Highend-Smartphone im 4-stelligen Kostenbereich sein? Um dann was damit zu tun? Whatsappen? Facebooken? Bilder knipsen? Twittern? Ach ja, Telefonieren? Dieser Nichtverzicht führt zu Flüchtenden und finanziert Kriegsgebiete.

Fall 2

Öl und Erdgas sorgen seit Jahrzehnten für Krisenherde und Kriegsschauplätze – insbesondere im Nahen Osten. Auch der Syrienkrieg ist primär ein Rohstoffkrieg. Wer den Medien hier nach wie vor religiöse Beweggründe abnimmt, der recherchiert bitte folgenden Artikel in der Wirtschaftswoche! Und trotzdem wir täglich mit den brutalen Ereignissen – tausende Kilometer entfernt – konfrontiert werden, konsumieren wir weiterhin Plastiktüten und andere Kunststoffe wo es nur geht, fahren viele unnötige(!) Kilometer Auto und erdreisten uns sogar zu unserem puren Vergnügen in den Urlaub zu fliegen.

Jährlich verkraftet unser Planet über 30 Millionen Flüge. Das bedeutet den Verbrauch von über 1 Milliarde Liter Kerosin. Auf einem Flug von London nach Sydney werden pro Person 5 Tonnen CO2 ausgestoßen. (Mehr Zahlen und Fakten auf Wireless Life). Der Wohlstand und der Luxus den wir uns erdreisten ist, sicherlich nicht ausschließlich, aber mitverantwortlich für so manchen Kriegsschauplatz und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme. Verzicht kann zur Regulierung dieser Umstände beitragen. Warum in 2017 nicht mal ins schöne Bayern fahren, oder die Ostseeküste besuchen? Die Alpen zu Fuß überqueren oder Teile des Nordseeküstenradwegs erkunden? Auch das Bereisen angrenzender Länder per PKW hinterlässt einen deutlich besseren ökologischen Fußabdruck als der Flug in die DomRep oder nach Malle.

Es gibt sicher noch viele weitere Kausalketten. Die Überproduktion von Billigfleisch aus Massentierhaltung und dessen Vertrieb in die Entwicklungsländer bspw. Schreibt mir gerne weitere Kausalketten in die Kommentare oder verlinkt eure eigenen Blogbeiträge.

Trend Minimalismus – Was tun?

Zunächst einmal benötigen wir Weitsicht. Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umschaue, dann habe ich den Eindruck, dass sich die wenigstens Gedanken um diese Themen machen, wofür ich durchaus auch Verständnis habe. Die Erkenntnis darüber, selbst Mitverursacher zu sein lähmt und kann schnell zu einer handlungsunfähigen Ohnmacht führen. Es ist belastend sich mit globalen Konfliktsituationen auseinanderzusetzen, weil man sie auf Anhieb nicht lösen können wird. Oft frage ich mich, ob die Leute wirklich nicht informiert sind, oder ob sie einfach nicht informiert sein wollen. Aus Angst die eigene Komfortzone zu sehr einschränken oder verlassen zu müssen.

Aber vielleicht ist genau diese Angst unbegründet. Wir brauchen Erfinder, die Produkte kreieren, die Verzicht gepaart mit gleichbleibendem Wohlstand, dann aber für alle(!), ermöglichen. Für mich ist das Tiny Living-Prinzip dbzgl. immer wieder ein Vorzeigebeispiel. Eingeschränktes aber dennoch komfortables Wohnen ist für einen Bruchteil dessen möglich, wie es jeder von uns heutzutage betreibt.

Darüber hinaus glaube ich, dass wir informiert sein müssen. Lieber abends mal die Flimmerkiste auslassen, sich nicht berieseln und stattdessen Hintergrundinformationen (siehe die Links aus den Kausalketten) recherchieren. Dinge verstehen, Zusammenhänge analysieren, nicht alles Vorgekaute übernehmen und glauben. Und wenn wir neue Erkenntnisse gewonnen haben, sollten wir sie im Freundes- und Verwandtenkreis teilen und diskutieren. Hier können wertvolle Ideen zu Projekten entstehen, die die Welt ein Stück weit verändern können.

Beweisführung anhand des Fußabdrucks

Hier das Ergebnis meines ökologischen Fußabdrucks. Gerade durchgeführt bei footprint-deutschland.de. „Dein ökologischer Fußabdruck ist 5.39 Hektar. Ein fairer Fußabdruck soll aber nur 1.8 Hektar groß sein. Denn wenn alle deinen Lebensstil haben, benötigen wir 2.99 Erden.“ Mir ist aber bewusst, dass wir nur diesen einen Planeten haben. Und ich kann nur schlecht mit Strategien wie ‚Nach mir die Sintflut‘ leben. Denn ich habe Kinder, die auch nach dem Jahr 2052 (dem prognostiziertem Ende der irdischen Ölvorkommen) noch Freude am Leben auf diesem Planeten haben sollen. An dieser Stelle möchte ich das ‚überlebensnotwendig‘ aus der Headline aufgreifen, denn hier wird deutlich, dass ich mehr reduzieren, noch minimalistischer werden und weiterhin an meinem Verzicht arbeiten muss, um meinen Fußabdruck zu verkleinern.

Ein weiterer Lösungsansatz: Das bedingungslose Grundeinkommen

Wie schon erwähnt: Wir brauchen Ideen und Lösungen. Dazu sind Menschen erforderlich, die sich diese Ideen und Lösungen ausdenken. Aber die meisten Menschen, die dieses Potential mitbringen, sind bereits in ihren ganz persönlichen Kontexten überlastet und haben nicht den Raum ihre Kreativität zu entfalten. Hier kann das bedingungslose Grundeinkommen für Entlastung sorgen und unbedingt benötigte Ressourcen freischaufeln.

Konsequenzen für mein Christsein

Als Christ darf ich wissen, dass wir in einer gefallenen Welt leben. Jesus hat versprochen, dass er wiederkommen und nicht nur uns, sondern die gesamte Schöpfung erlösen wird. Das schenkt mir Hoffnung und Zuversicht, gibt mir aber meiner Meinung nach nicht das Recht, die Hände in den Schoß zu legen und das Ende abzuwarten. Wir tragen dennoch Verantwortung. Als Christen sollten wir uns einmal mehr bewusst machen, dass wir unser Vergnügen auf Kosten anderer Ausleben.

Mein Pizza-Mann

…gönnt sich in der Winterpause einen stolzen Urlaub. Flug nach DomRep mit anschließender Kreuzfahrt durch die Karibik. Das ist so mit das ignoranteste und menschenunwürdigste was man heutzutage tun kann. Aber ich glaube, er ist sich dessen einfach nicht bewusst und es tut mir leid, aber ich weiß nicht, wie ich ihm das anders näherbringen kann, als ihn bei der Finanzierung dieser Urlaube zukünftig nicht mehr zu unterstützen. Der Flug alleine… Dann die Kreuzfahrt… Kreuzfahrtschiffe mit tausenden von Passagieren produzieren Unmengen an Müll, die weder verbrannt, noch getrennt, sondern einfach mit einer riesigen, an Board befindlichen Müllpresse ins Meer gedrückt werden. Dann die Dominikanische Republik. Eine Insel, zwei Welten. Sterbende Kinder und feudales Strandleben liegen nur wenige Kilometer auseinander.

Die erwähnte Lektüre

Während des Schreibens habe ich mir überlegt, dass ich sie vorerst nicht nenne, sondern demjenigen der errät welches Stück Unterhaltungsliteratur diesen Artikel mit inspiriert hat, einen Buch7-Gutschein schenke. Die Auflösung folgt dann in ein paar Tagen.




Fazit zum Minimalismus Trend

Ich wollte mir immer mal Kanada oder auch Alaska anschauen. Aber als ich vor ein paar Jahren verstanden habe, dass ein Flug dahin eine kleine ökologische Katastrophe zur Folge hat, habe ich diesen Traum verschoben. Ja! Nicht gestrichen, verschoben. Es geht nicht darum Spaß und Vergnügen vollends zu streichen. Es geht darum Lösungen oder Alternativen zu finden, die dieses Vergnügen wieder ermöglichen ohne dadurch an anderer Stelle diesen imensen Schaden auszulösen. Es gibt zahlreiche Beispiele für nahezu emissionsfreies Umdieweltreisen. Verzicht ist also gar nicht mal unbedingt immer der einzige Ausweg. Aber es ist eine einfache und konsequente Entscheidung. Bin ich nicht bereit zu verzichten, ist es wichtig die richtigen Alternativen zu finden und anzuwenden.

Nachwuchs für die Minimalisten-Szene – Minimalismus-Interview zwecks Facharbeit

Während die Top-Minimalisten von Huffington Post und anderen großen Institutionen heimgesucht werden, erhalte ich eine Mail von Chiara, Gesine, Luise und Henriette 😉 Ehrlich gesagt liegt diese Interviewanfrage für eine Seminarfacharbeit der Mädels schon ein paar Monate zurück, aber ich wollte das Fragen-Antworten-Spiel hier unbedingt mal zur Schau stellen. Nichtzuletzt weil ich die Fragen als sehr gut gewählt empfunden habe, auch weil ich für mich das Thema Minimalismus nochmal reflektieren konnte.

Los gehts:

Frage 0: Möchtest du anonym bleiben oder dürfen wir deinen Namen in der Arbeit nennen?
Da bin ich flexibel. Wie es besser in das Konzept eurer Arbeit passt.

Frage 1: Was gehört für dich zum Minimalismus dazu? Was macht dich persönlich zum Minimalisten? Verfolgst du damit ein bestimmtes Ziel?
Minimalismus bedeutet für mich primär ein konsumkritisches Denken und Handeln. Hierzu gehört für mich das Hinterfragen, ob ich eine bestimmte Sache – nehmen wir bspw. einen Rasenmäher – wirklich neu kaufen muss, oder ob zuvor die Möglichkeit besteht,

  • einen alten Rasenmäher zu reparieren,
  • beim Nachbarn (gerne auch gegen Gebühr) einen auszuleihen,
  • einen benachbarten Schüler zu fragen, ob er (gegen Gebühr oder Pizzaeinladung) meinen Rasen mähen würde,
  • oder ob ich gebraucht einen bekommen kann.

Der Minimalismus hat mir ein Tor zu anderen Themen geöffnet. Das sind bspw. Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, usw. – Themen, die mich immer mal wieder beschäftigen. Ein Ziel verfolge ich nicht direkt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir gut tut über weniger nicht genutzten Besitz zu verfügen. Jedes Teil dass ich abschaffen konnte, hat zu einem befreiteren Aufatmen geführt. Geringere Kosten, weniger administrativer Aufräumaufwand, usw.

Minimalismus beinhaltet für mich aber nicht nur das Reduzieren von Dingen, sondern auch das Abgewöhnen überflüssiger Verhaltensmuster. (Bspw. Plastiktüten an der Kasse kaufen, ohne drüber nachzudenken. Stattdessen Papiertüten kaufen oder besser noch: Eigenen Beutel/Karton/Kiste mitbringen.)

Minimalismus bedeutet auch: Verzicht auf Überfluss. Das beinhaltet für mich das Ziel, mich mit den vielen Menschen weltweit ein wenig mehr zu verbinden, die überhaupt nie die Möglichkeit bekommen werden im Überfluss zu leben.

Frage 2: Wann bist du zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung gekommen? Ab welchem Zeitpunkt hast du bewusst minimalistisch gelebt (also wusstest du für dich: Ich bin Minimalist)? War es bis dahin eher ein schleichender Prozess oder eher eine einschneidende/ radikale Entscheidung?
Wir waren mit ein paar Leuten in der Wohnung einer Freundin zu Besuch. Sie hat einen sehr reduzierten Lebensstil gelebt. Ich denke mich hat der Überblick beeindruckt, den sie über ihre Dinge hatte. Das wollte ich so für mich auch haben und dann habe ich begonnen, Sachen abzuschaffen. Seitdem ist es ein fortwährender Prozess. Kein Trend, den man irgendwann wieder vernachlässigt oder durch einen anderen Trend ablöst, sondern ein Umdenkprozess.

Frage 3: Wie hast du vorher gelebt? Hast zu exzessiv/viel oder eher schon bewusst/wenig konsumiert? War die Umstellung schwer oder leicht zu meistern?
Ich war bis kurz vor diesem Zeitpunkt noch Student. Also jemand mit relativ geringen finanziellen Möglichkeiten. Einen außergewöhnlich exzessiven Lebensstil hätte ich mir nicht leisten können. Aber es war ein unbewusster Lebensstil. Heute betrachte ich viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel/von einem erweiterten Horizont aus/reflektierter. Die Umstellung war sehr einfach. Ich habe viel verkauft und mich über die Einnahmen gefreut. Ich habe viel verschenkt und mich mit den Beschenkten gefreut. 😉

Frage 4: Wie hat dein Umfeld auf deinen Lebenswandel reagiert? Gab es Momente, in denen du auf Unverständnis gestoßen bist?
Man hat es belächelt. Damals (vor ca. 7 Jahren) war der Begriff Minimalismus noch nicht so präsent wie heute. Mittlerweile ist er durch die Medien sehr breit getreten worden, was ich durchaus als positiv empfinde. Eltern sowie Schwiegeltern haben in der Anfangszeitunseres exzessiven Reduzierwahns gefragt, ob sie ihre eigenen Stühle mitbringen müssen, wenn sie zu Besuch kommen. Eine nicht ganz unberechtigte Sorge…

Frage 5: Hat sich im Laufe der Zeit deine Einstellung zum oder deine Auffassung von Minimalismus geändert?
Ja. Minimalismus ist nicht alles. Es gibt sehr viele Themen, die mindestens genauso, wenn nicht sogar noch wichtiger sind. Minimalismus ist eine Idee, eine andere Denke. Das passt nicht zu jedem und es sollte auch nicht jeder Minimalist sein. Es ist auch toll zu Leuten gehen zu können, die alles sammeln und horten. Dort kann man sich Sachen borgen, Material erfragen, Werkzeuge ausleihen, usw. So etwas muss es also irgendwie auch geben. Minimalismus ist darüber hinaus für Singles sehr leicht umzusetzen. Für uns als 5-köpfige Familie, ist es nach wie vor ein Experiment, das von meiner Frau und mir gelebt wird, das wir aber bewusst nicht versuchen unseren Kindern überzustülpen.

Frage 6: Im Vergleich zu deinem Lebensstil vor dem Minimalismus: Bist du zufriedener geworden? Kannst du dafür einen bestimmten Grund nennen?
Hinsichtlich meines Konsumverhaltens bin ich jetzt sehr viel zufriedener mit mir. Dieser Umdenkprozess hat meine Prioritäten etwas verrückt. Das ist sicherlich ein Grund. Diese neuen Prioritäten haben zu spannenden Entscheidungen geführt, die den Alltag schon oft ereignisreicher gestaltet haben.

Frage 7: Was nützt dir der Minimalismus im Alltag? Kannst du konkrete Vorteile aus deinem Lebensstil ziehen?
Ich spare Geld. Ich habe mehr Platz. Ich kaufe nicht immer gleich drauf los, sondern denke über Alternativen nach, was sicherlich förderlich für meine Kreativität ist.

Frage 8: Könntest du dir vorstellen nicht mehr minimalistisch zu leben? Hast du es in Zukunft vor?
Nein. Wie schon gesagt: Ich betrachte das ganze als Umdenkprozess. Dieser hat bei mir stattgefunden und ist fest verankert.

Frage 9: Glaubst du, dass Minimalismus für jeden Menschen adaptierbar ist? Braucht man bestimmte Voraussetzungen? Was hältst du von “Mode- Minimalisten” (die sozusagen um des Trends willen auf den Zug aufspringen)?
Oh, der Frage hatte ich oben schon ein wenig vorweggegriffen. Theoretisch könnte jeder Minimalist sein. Ob das gut ist und funktionieren würde ist allerdings eine andere Frage. Ich habe im Zuge des Minimalismus ausschließlich Dinge getan, die gut für mich waren. Ich hätte bspw. nie meine Gitarre verkauft, ich könnte nur schlecht auf Smartphone oder Notebook verzichten und ich liebe mein Mountainbike. Man muss sich in seinem Umfeld wohlfühlen. Würde es jemandem mental schlecht damit gehen Dinge zu reduzieren, sollte er es unbedingt sein lassen.

Minimalismus ist für mich kein Trend. Aber auch das ist sicher personenbezogen. Wer es als Trend sieht und gerne mal ausprobieren möchte… Warum nicht?

Frage 10: Was hältst du von Gütergemeinschaften? Gehören diese für dich zum Minimalismus? Wäre das etwas für dich?
Ja. Das Konzept des Teilens ist für mich gelebter Minimalismus. Wir leben in einer sehr dörflichen Gegend. Hier hat jeder einen Rasenmäher, mindestens zwei Autos, in jedem Haushalt mit Kindern steht ein Trampolin im Garten, usw. Das könnte man sehr viel sinnvoller, gemeinschaftsfördernder und sparsamer gestalten.

Frage 11: Wie, glaubst du, wird sich Minimalismus weiterentwickeln? Was würdest du dir wünschen?
Die Szene der Minimalisten wächst zwar ständig, aber in der westlichen, vom Wirtschaftswachstum geprägten Konsumgesellschaft hat sie bislang denke ich nur eine kleine Stimme. Aber sie verschafft sich mehr und mehr Gehör, nicht zuletzt durch die Medien. Wenn wir dadurch Impulse setzen und andere Menschen motiveren können bewusster, nachhaltiger, reduzierter zu leben, trägt das vielleicht dazu bei, das große Ungleichgewicht dieser Welt ein wenig mehr in Waage zu bringen.

Weniger ist mehr! Qualität und Quantität

weniger ist mehr

Beim Reduzieren verfolge ich oft das Ziel auf Quantität zu verzichten. Gleichzeitig lege ich aber auch sehr viel Wert auf Qualität. Ist dieses ‚Weniger ist Mehr‘ miteinander vereinbar?

Smartphones sind ein tolles Beispiel. Ein einziges Gerät ist in der Lage ein gewöhnliches Handy, eine kleine Kamera, den MP3-Player, das Navi fürs Auto, das GPS-Gerät zum GEOcachen, die Wasserwaage und andere Dinge zu ersetzen. Beim heutigen Fortschritt muss hierbei sogar kaum auf Qualität verzichtet werden.

Weniger ist mehr hat beim Fernsehen …

…allerdings nur bedingt funktioniert. Zwar sind große Geräte wie das Fernsehgerät selbst, DVD-Player und SAT-Receiver verschwunden, auch die Fernbedienungen und sämtliche Kabel sind weg. Geblieben ist ein kleines, platzsparendes Notebook, das alle Aufgaben zuverlässig übernehmen kann und zudem auch weniger Strom frisst. Die Quantität wurde hierbei entscheidend reduziert ohne auf das Fernsehen an sich verzichten zu müssen. Über die gebliebene Qualität lässt sich jetzt natürlich streiten. Für mich bzw. uns als Familie ist Fernsehen an Notebook oder Tablet-PC absolut zufriedenstellend und ausreichend. Natürlich fehlt ein 60-Zoll-Curved-Bildschirm-Wow-Erlebnis beim Samstag-Abend-Daheim-Kino. Auch Leute einladen um gemeinsam das Finale der nächsten Fußball-WM zu zelebrieren wird eher nicht funktionieren. Aber hierfür gibt es Public Viewings und wenn Freunde zu Besuch kommen, bleibt der Fernseher gerne auch mal aus.




Weniger ist mehr im Bücherregal

Bei Büchern, Filmen und Musik geht mir der Verzicht auf Quantität auch relativ leicht von der Hand. Im Regal bleibt einfach das stehen, was gut ist. Der Rest wird verliehen, verkauft oder verschenkt. Im Zeitalter diverser Streaminganbieter wie Netflix, amazon Prime, Sky Ticket, usw. lassen sich Filme und Serien wunderbar digital konsumieren, auch wenn bei so manchem Lieblingsfilm eine Special Edition im Regal ganz gut tun würde. Dennoch dient sie i.d.R. nur optischen Ansprüchen. Wann oder wie oft holt man einen Film ein drittes oder viertes Mal hervor, nur um ihn nochmal inkl. allem verfügbarem Bonusmaterial zu schauen?

Autos, Hobbies, usw.

Aber wie verhält es sich bspw. mit der Anschaffung von Autos? Abhängig von den Infrastrukturen vor Ort ist es gar nicht möglich mit nur einem geschweige denn gar keinem Auto auszukommen. Was ist, wenn ich eine Sportart zu meinen Hobbys zähle, die ein hochwertiges und umfangreiches Equipment voraussetzt? Oder Musik – reicht einem Musiker ein einziges Instrument und darf das vom Discounter sein?

Weniger ist mehr: Kein Fazit

Dieser Artikel hatte nicht das Ziel zu einem Fazit zu gelangen. Und dennoch habe ich das Gefühl, dass das Weniger ist mehr-Prinzip in fast 100% der anwendbaren Fälle zutreffend ist. Weniger Besitz führt zu einem Mehr an Raum, der nicht nur physisch sondern bspw. auch in Form zeitlicher Freiräume gewonnen wird. Weniger Arbeit kann zu einem erfüllterem oder intensiverem Familienleben führen. Weniger Arbeit bedeutet auch ein Mehr an Zeit. Und Zeit wird zunehmend als eine wichtigere Währung gehandelt als unser liebes Geld. Weniger Stress führt zu mehr Gesundheit bzw. weniger psychosomatischer Krankheitserscheinungen. Weniger Umweltbelastung bedeutet mehr Lebensqualität für uns Menschen. Weniger Müll zu produzieren bedeutet ein Mehr bzw. Meer mit Fischen die ohne Mikroplastikteilchen Teil unserer Nahrungskette werden. Weniger Müll bedeutet also auch ein Mehr an Gesundheit für uns.




Die Liste kann endlos fortgesetzt werden. Wie denkt ihr über Qualität und Quantität wenn es ums Reduzieren geht? Was ist euer Antrieb, eure Strategie beim minimalistisch Leben?

Ohne Karte zahlen… Geht das?

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Das schöne an Verkäufen über Kleinanzeigen ist das häufig daraus resultierende Bargeld. So zumindest heute morgen seit längerem noch mal bei mir passiert. Eine alte Ofendusche wechselte für 50,- EUR den Besitzer. Der Werststoffhändler nahm mir anschließend ein paar Kupferrohrreste und anderes Altmetall ab, was die Kasse ebenfalls ein wenig lauter klingeln ließ. Dann allerdings ging es in den Supermarkt. Bei der Default-Ansage der Kassiererin („Bar oder mit Karte?“) griff ich wie gewohnt zur EC-Karte. Dabei taxierte jedoch mein Blick das im Geldbeutel befindliche Bargeld, woraufhin ich widerwillig die Karte zurück in ihr Fach schob und mit den vorhin so hart erarbeiteten Geldscheinen zahlte.

Das beschäftigte mich auf der Rückfahrt. Es hätte mir sehr viel weniger ausgemacht, den Betrag im Supermarkt mit Karte zu bezahlen. Die Scheine ließen sich sehr viel schwerer aus der Geldtasche ziehen und am am liebsten hätte ich die Hälfte des Einkaufs wieder zurück ins Regal gestellt. Ist es tatsächlich so, dass das bargeldlose Bezahlen mit weniger Hemmungen verbunden ist? Ist das echte Geld „zu weit weg“ und haben wir es deswegen ein wenig lockerer sitzen? 

Ich stelle oft fest, dass Dinge, die versuchen unser Leben bequemer und unkomplizierter zu machen, nicht wirklich auch immer zu unserem Besten dienen… Das bargeldlose Bezahlen macht vieles leichter und komfortabler. Es zieht uns aber auch sprichwörtlich das Geld aus der Tasche. Wir geben die Kontrolle ein wenig ab, nehmen etwas weniger den direkten Überblick in Kauf und stellen darüber hinaus im Netz die Informationen bereit, was wir wann und zu welchem Preis gekauft haben.

Für mich persönlich höchste Zeit ein kleines Experiment zu starten. Im Monat April möchte ich so selten wie möglich zur Karte greifen. Natürlich wird das anstrengend. Wie oft zahle ich Kleinstbeträge mit Karte, für die ich nun erst einen Automaten aufsuchen muss? Aber genau das könnte zu der Überlegung führen, lieber auf bestimmte Einkäufe zu verzichten.

Kurz: Wer macht mit? Und hat jemand eine Idee für einen Hashtag unter dem wir unsere Erfahrungen austauschen können? Vielleicht eine kleine Competition? Wer am seltensten mit Karte zahlt hat gewonnen? 😉

Fazit zum #SugarFree-Projekt

Die erfolgreich abgeschlossenen 8 Wochen ohne Zucker liegen nun bereits seit zwei Wochen hinter mir. Und ehrlich: Nach Ablauf der Zeit habe ich wieder beherzt zugegriffen. Mittlerweile scheint es sich etwas einzupendeln und ich gewinne den Eindruck, dass ich im Schnitt zukünftig tatsächlich weniger Zucker konsumieren werde, als vor dem Projekt. Aber das Weniger ist überschaubar und das eigentliche Ziel des Projektes, die Gier nach diesem weißen Zeug spielerisch in den Griff zu bekommen, ist gnadenlos gescheitert.

Früher habe ich auf der Arbeit fast täglich eine Tafel Schokolade verdrückt. Bislang jedoch kann ich im Büroalltag weitestgehend auf den Süßkram verzichten. Nuss-Nougat-Cremes gehören für mich wieder fest auf den Speiseplan. Nicht übertrieben, aber ich genieße ab und an morgens mein Nut***a-Brot.

Ich glaube man kann den Hang/Drang zu Süßigkeiten nicht pauschalisieren. Es gibt viele Menschen die überhaupt keinen Bezug zu Schokolade und Gummibärchen haben (nachvollziehen kann ich das nicht), die stattdessen eher mal eine Tüte Chips/Flips verdrücken. Leuten mit dieser Veranlagung traue ich durchaus die erfolgreiche nachhaltige Umsetzung eines solchen Experiments zu. Als stressanfällige, nicht krisenfeste Person, greife ich sicher oft und vor allem auch aus mentalen Gründen zum Zucker. Warum dieses Zuckerverhalten und der Bezug zu Süßigkeiten bei vielen Erwachsenen total unterschiedlich ausfällt, ist sicher auch auf den Umgang mit Schokolade und Co in der Kindheit zurückzuführen.

Unterm Strich werde ich zukünftig hoffentlich weniger Zucker konsumieren. Nicht weil es mir jetzt leichter fällt, sondern weil ich gemerkt habe, dass sich die acht Wochen positiv auf Körper und Geist ausgewirkt haben.

Abgenommen habe ich in dieser Zeit übrigens ca. 2-3 Kilo, was ich als gesunde Gewichtsreduzierung einstufen würde. Leider hatte ich in dieser Zeit kaum Gelegenheit Sport zu treiben. Hier stelle ich fest, dass ich diesen Aspekt aus gesundheitlichen Gründen eher mal zum Thema machen sollte. Eine neue Experiment-Idee wäre daher acht Wochen mit mindestens 3x Sport die Woche, was allerdings aufgrund des komplexen und umfangreichen Zeitmanagements nur sehr schwierig umsetzbar sein sollte.

Arbeitet ihr daran bestimmte Verhaltensmuster zu verändern? Welche? Warum? Was für Experimente kommen hierbei für euch zum Tragen?

Stromverbrauchsrechner

Damals haben wir wie gebannt die Geschehnisse in Japan/Fukushima in den Medien verfolgt. Da war es nur eine natürliche Konsequenz, dass erneut Diskussionen über die Atomenergie-Problematik angefacht wurden. Ich selbst bin überhaupt kein Befürworter der Atomenergie und würde es am liebsten sehen, wenn der gesamte Energiebedarf über alternative Quellen abgedeckt werden könnte oder besser noch: Wir endlich lernen würden weniger Energie sinnlos zu verbrauchen. Ich habe damals nach einem Stromverbrauchsrechner gesucht, der mir überhaupt erstmal aufschlüsselt, wie viel Kosten welches Gerät in unserem Haushalt verursacht. Denn das Ziel Kosten einzusparen, führt gleichzeitig zu einer Energieeinsparung.

Der Stromverbrauchsrechner hilft: Wie viel Strom verbrauchen wir?

Es ist erstaunlich wie sehr das Thema ‚reduziert leben‘ auch hier eine Rolle spielt. Atomkraftwerke werden letztendlich gebaut um unseren Komfort- und Luxusbedarf zu befriedigen, der Bedarf der Politiker deckt hierbei übrigens nur einen geringen Prozentsatz ab. Ich habe den Eindruck, dass wir zu oft vergessen wie viel Macht wir als Verbraucher eigentlich haben. Wir entscheiden, dass Google die Suchmaschine Nr. 1 ist. Wir entscheiden, dass sich auf unseren Straßen extreme Spritschleudern fortbewegen dürfen und wir entscheiden, wie viel Strom wir verbrauchen.

Tipps zum Strom einsparen

Wir können auf Fernseher, Glühbirnen und PC-Systeme verzichten. Notebooks und Energiesparlampen stellen sehr gute Alternativen dar. Was ist besser: Warmwasserspeicher oder Durchlauferhitzer? Wer aktuell noch gute Tipps zum Strom sparen/reduzieren gebrauchen kann, sollte einfach mal Google (oder eine andere Suchmaschine) bemühen, oder einfach hier nachlesen: stromspartipps!

Online-Stromverbrauchsrechner

Bei stromverbrauch-haushalt.de habe ich einen tollen Stromverbrauchsrechner gefunden. Schaut am besten selbst mal nach. Hier könnt ihr euer Gerät (bspw. Computer oder Durchlauferhitzer) auswählen, angeben wie viel Stunden es täglich im Einsatz ist und der Rechner ermittelt euch sowohl die täglich, als auch die jährlich anfallenden Kosten.




Bonus: Wie man bspw. auch ohne Fernseher leben und dennoch fernsehen kann, findet ihr im Artikel: Leben ohne Fernseher.